Populärkultur transnational – Lesen, Hören, Sehen, Erleben in (west-)europäischen Nachkriegsgesellschaften der langen 1960er-Jahre

Place
Saarbrücken
Host/Organizer
Dietmar Hüser, Lehrstuhl für Europäische Zeitgeschichte, Universität des Saarlandes; Clemens Zimmermann, Lehrstuhl für Kultur- und Mediengeschichte, Universität des Saarlandes; Andreas Fickers, Contemporary and Digital History, Université du Luxembourg
Date
06.10.2014 - 08.10.2014
By
Jürgen Dierkes / Dietmar Hüser / Birgit Metzger / Lukas Schaefer, Historisches Institut, Universität des Saarlandes

Die interdisziplinäre Tagung verstand sich als Beitrag zur Kulturtransferforschung und zur transnationalen Geschichtsschreibung. Neben methodischen Fragen nach Vergleichen, Transfers und Verflechtungen stand das bislang kaum erforschte Spannungsverhältnis von nationalen Differenzen im Liberalisierungsprozess einzelner Länder und gemeinsamen europäischen Erfahrungen im Umgang mit neuen Formen von Populärkultur in den langen 1960er-Jahren im Mittelpunkt. Dieser Zeitraum wurde als eine Sattelzeit interpretiert, die europaweit bereits beschleunigte Transnationalisierung, zugleich den häufigen Rückgriff auf Vertrautes mit sich brachte und damit spezifische Mischungsverhältnisse aus Neuem und Altem generierte, die sich auch im Umgang mit Populärkultur widerspiegelten.

Einleitend hob DIETMAR HÜSER (Saarbrücken) den weiterhin erheblichen Bedarf an empirischen Fallstudien zum Themengebiet hervor und betonte den Anspruch der Tagung, statt aneinandergereihter Länderbeispiele in jedem Beitrag selbst eine transnationale Perspektive einzunehmen. Somit könnten Erkenntnisse zum Abgleich von Amerikanisierung- und Europäisierungstrends unter verstärkter Berücksichtigung von Kulturtransfers und diverser Aneignungsformen zwischen europäischen Ländern gewonnen werden. In der Verflechtungsbilanz sei zu bedenken, dass es sich nicht um einbahnstraßenartige Prozesse, sondern um Kreisläufe von Kulturtransfers handele.

In der Einführung zur ersten Sektion „Lesen“ betonte CHRISTOPH VATTER (Saarbrücken) die Chancen und Schwierigkeiten einer romanistisch-philologischen Beschäftigung mit Phänomenen transnationaler Populärkultur. Zwei Hinweise dienten als Illustration: Pierre Bourdieus „feine Unterschiede“, in denen sich eine Korrelation zwischen Sozialstatus und nationalem bzw. transnationalem Lebensstil ausmachen lasse; zudem die Cultural Studies, denen vielfach eine ausreichende historische Dimensionierung populärkultureller Themenfelder fehle. Unabdingbar sei, den Begriff „Populärkultur“ zu schärfen.

HARTMUT NONNENMACHER (Freiburg) zeigte in seinem Beitrag über Frankreich, Spanien und Argentinien, dass bei sehr unterschiedlichen politischen Rahmenbedingungen in der Comic-Kultur der drei Länder jeweils Werke humoristischen Charakters entstanden, die transnationale Bekanntheit erlangten und so in Konkurrenz zu den hegemonialen Superhelden-Comics aus den USA traten. Neben ästhetischen und humoristischen Unterschieden zwischen „Astérix“ (Frankreich), „Mortadelo y Filemón“ (Spanien) und „Mafalda“ (Argentinien) legte Nonnenmacher dar, wie im Vergleich gegenläufige politisch-gesellschaftliche Entwicklungen ihren Niederschlag fanden: scheinbar grenzenloses Wirtschaftswachstum und ein optimistischer Grundton in „Astérix“ einerseits, politische Instabilität, ökonomische Stagnation und ein pessimistischer Grundton in „Mafalda“ andererseits.

MARCEL KABAUM (Berlin) beschäftigte sich mit der Rezeption von Jugendkultur und den USA in westdeutschen Schülerzeitungen der 1950er- und 1960er-Jahre. Gesellschaftsgeschichtliche Entwicklungslinien wie das steigende jugendliche Selbstbewusstsein oder die Liberalisierung von Umgangsformen und Freizeitaktivitäten seien in diesem Quellenkorpus anschaulich nachvollziehbar. Auch Berichte über die USA hätten sich gewandelt: Zunächst recht vorbehaltlos, sei ihr Zugang mit Beginn der 1960er-Jahre politisch-analytischer geworden, um schließlich das in der Bundesrepublik ab 1968 verbreitete, zweischneidige Amerika-Bild widerzuspiegeln. Neben der negativen Assoziation mit Imperialismus und Krieg finde sich hier gleichzeitig Faszination für Populärkultur aus den USA.

Im Sektionskommentar regte PHILIPP GASSERT (Mannheim) zunächst an die Beiträge anschließende, detailliertere Forschung zu den Rezipienten von und ihrer Haltung zu Populärkultur an. Zudem warf er die Frage nach der zeitlichen Begrenzung des Forschungszusammenhangs auf, da es gerade im Bereich populärer Kultur zahlreiche Beispiele für Kontinuitäten bis in die 1970er-Jahre hinein gebe und das Jahrzehnt nicht zwangsläufig als ein epochaler Bruch einzustufen sei.

In seinem Abendvortag umriss KASPAR MAASE (Tübingen) die politischen und sozioökonomischen Rahmenbedingungen der zweiten Nachkriegszeit, vor deren Hintergrund das Verhältnis von Populärkultur und Gesellschaftswandel zu diskutieren sei, mit Schlagworten wie „Konsensliberalismus“ und „Ausweitung des Massenkonsums“. Maase fragte, worin das politische Element von Populärkultur bestehe und zeigte am Beispiel des Rock’n’Roll dessen egalisierende Wirkung als ein Musikstil auf, der Personengruppen angezogen und vereint habe, die sich wenig geschätzt und einbezogen gefühlt hätten, vom jungen Arbeiter bis hin zum bürgerlichen Gymnasiasten. Die politische Dimension von Populärkultur und ihre Rolle bei Demokratisierungsaufbrüchen seien wesentlich durch solche Zuschreibungen von außen, auch von ihren Gegnern, und in sie hineinprojizierte Werte und Ansprüche entstanden.

Zur Fundierung der Sektion „Hören“, die sich mit populärer Musik befasste, differenzierte ASTRID FELLNER (Saarbrücken) den Amerikanisierungsbegriff. Amerikanische Kultur sei einem Produkt oder Text nicht inhärent. Vielmehr müssten Bedeutungszuschreibung, Rezeptions- und Aneignungsprozesse genau betrachtet werden, um zu hinterfragen, inwieweit „Amerika“ sich wirklich auf nationale Kontexte beziehe und es sich nicht nur um eine Chiffre handle, einen imaginären, von der nationalen Herkunft abgekoppelten Ort, der in lokalen Kontexten mit neuer Bedeutung gefüllt werde.

ALEXANDER SIMMETH (Berlin) befasste sich mit dem transnationalen Erfolg von Krautrock, dessen erste Bands – als Avantgarde auf der Suche nach neuen Ausdrucks- und Produktionsformen und in Abgrenzung zur angloamerikanischen Populärmusik – im westdeutschen Kontext von „1968“ entstanden waren. Die distanzierte Performanz der Interpreten und ihre technologische Vorreiterrolle für die Elektrifizierung von Popmusik seien in amerikanischen und britischen Medien mit Erstaunen wahrgenommen und mit deutschen Stereotypisierungen und Bezügen zum Nationalsozialismus kommentiert worden, was wiederum auf vielfältige Weise auf die Gruppen zurückgewirkt habe. Krautrock deutete Simmeth daher als ein erstes Beispiel für eine beginnende, dezentrale Wechselwirkung zwischen einzelnen lokalen Musikszenen.

EGBERT KLAUTKE (London) sprach über den Erfolg von populärer Musik aus Großbritannien in den USA der 1960er- und 1970er-Jahre, den er am Beispiel der „Beatles“ verdeutlichte. Waren die Impulse der populären Musik von Jazz bis Rock’n’Roll von den USA ausgegangen und in Europa nachgeahmt worden, so verschob der transatlantische Erfolg der „Beatles“ die Transfer- und Rezeptionsverhältnisse. Großbritannien wurde seit den 1960er-Jahren zu einem weiteren Zentrum der Popmusik. Im Zuge dessen habe sich das Modell des Musikers als Songwriter etabliert, womit eine Anerkennung als Künstler verbunden gewesen sei. Mit dem Aufgreifen und der neuartigen Präsentation des afro-amerikanischen Blues durch Akteure der weißen Mittelschicht sei eine ganze Musikrichtung neu begründet worden: der Gitarrenrock in all seinen Variationen.

Im Sektionskommentar unterstrich DIETMAR HÜSER (Saarbrücken) die Relevanz der Vorträge als Beispiele für wirkmächtige, langfristig prägende Musikeinflüsse aus Europa, die in die Vereinigten Staaten hinübergeschwappt seien und für ein komplexes Zirkulieren von Stilen und Klängen stünden. Als günstig für ein erfolgreiches Einpassen in die dortige Musikszene erwies sich, dass in beiden Fällen Sprachbarrieren wegfielen und amerikanische populäre Musik das Basismaterial für Krautrock und Beat bildete. Grundsätzlich plädierte Hüser für eine Amerikanisierungsgeschichte europäischer Gesellschaften, die primär individuelle und gruppenspezifische Aneignung und Selektion in den Empfängerkulturen betrachtet und stets – als eine Art transatlantische Verflechtungsbilanz – Amerikanisierungs- mit Europäisierungstrends miteinander abgleicht.

Die dritte Sektion der Tagung stand mit Film und Fernsehen unter dem Motto „Sehen“. ANDREAS FICKERS (Luxemburg) verwies eingangs auf unabdingbare Dimensionierungen von Themenfeldern transnationaler Populärkultur und audiovisueller Medien: eine sinnesgeschichtliche, um konkrete Raumerfahrungen und körperliche Wahrnehmungen im Aneignen von Objekten und Inhalten zu berücksichtigen; eine zirkulationshistorische, die – möglicherweise mit dem Modell des Dispositivs – über häufig teleologische Transfermodelle hinausgelange und Rückkoppelungsprozesse angemessen gewichte; eine räumlich-zeitliche, die sich eher an seriellen Ereignissen orientiere, da erst wiederholtes Rezipieren zu Habitualisierungseffekten führen und Amerikanisierungs- oder Europäisierungsprozesse erklären helfen könne.

FERNANDO RAMOS ARENAS (Leipzig) nahm cinéphile Subkulturen zweier Länder in den Blick, die angesichts autoritär-diktatorischer Strukturen und Zensurpraktiken kaum prädestiniert waren für internationalen Kulturaustausch (und damit anschaulich die Grenzen kultureller Transfers in den langen 1960er-Jahren aufzeigen). Ausgehend von einer gemeinsamen europäischen Filmkultur griff Ramos Arenas die vom französischen, italienischen und sowjetischen Kino geprägten Realismus-Debatten heraus und verglich ihre Aneignung in Spanien und Ostdeutschland. Unter Franco sei der italienische Neorealismus bereits seit den frühen 1950er-Jahren zentraler Bezugspunkt enger spezialisierter Kreise gewesen. In der DDR habe die Rezeption später eingesetzt, sich aber mit dem „sozialistischen Realismus“ verbinden lassen, der zum künstlerischen Kanon gehörte. Cinéphilie als internationaler Trend der Zeit habe in beiden Ländern zwangsläufig politisierte Diskurse und Adaptionsprozesse unter eigenen kulturpolitischen Rahmenbedingungen gemeint.

Der Beitrag von LUKAS SCHAEFER (Saarbrücken) stellte mit der gesellschaftskritischen Zeitschrift „Filmkritik“ einen exemplarischen Fall filmkultureller Transfers und internationaler Vernetzungsarbeit der 1950er- und 1960er-Jahre vor. Bei der Suche nach Alternativen zur bundesdeutschen Filmkultur, die der Kritikergruppe konservativ und langweilig erschien, habe besonders das realistische italienische Kino einen Orientierungsrahmen geboten und als Prüfstein besprochener Filme gedient. Internationale Kontaktbörsen waren Filmfestivals, durch die sich der transnationale Austausch für die westdeutschen Kritiker Ende der 1950er-Jahre ausgeweitet habe. Gerade dank auswärtiger Inspiration habe der kleine „Filmkritik“-Kreis Belebung in die westdeutsche Filmszene gebracht, filmkulturell habe die Zeitschrift die „Fundamentalliberalisierung“ der langen 1960er-Jahre flankiert und dazu beigetragen, Freiräume und Akzeptanz für nonkonformistisches Verhalten und Kunstverständnis zu schaffen.

CHRISTIAN HENRICH-FRANKE (Siegen) untersuchte in seinem Vortrag die in den 1960er-Jahren von der Europäischen Rundfunkunion veranstalteten Handelsmessen für Fernsehprogramme. Der Zuwachs an TV-Geräten und Sendezeiten habe die westeuropäischen Fernsehstationen veranlasst, nachdrücklich Ausschau nach kostengünstigen Fremdproduktionen zu halten. Aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus und da etwa Unterhaltungsshows stark national konfiguriert und schwerlich zu transferieren waren, seien zunächst überwiegend hochkulturelle Offerten und weniger eindeutig populärkulturelle Sparten für Programmtransfers aus der innereuropäischen Eigenproduktion gehandelt worden. Seit Mitte der 1960er-Jahre sei es aber gerade in der Grauzone zwischen eindeutig Hoch- und eindeutig Populärkulturellem zu populärkulturellen Europäisierungstrends gekommen.

CLEMENS ZIMMERMANN (Saarbrücken) unterstrich im Sektionskommentar die Relevanz der Raumdimension gerade für die langen 1960er-Jahre angesichts veränderter Formen und wachsender Zeitbudgets für „Sehen“. Derlei „Sehgeschichte“ könne Fernsehen und Kino wieder enger als bisher miteinander verzahnen. Mit verstärkter Aufmerksamkeit für kreative Orte der Populärkultur wie etwa London ließen sich „Strategien der Verörtlichung“ nachvollziehen, zugleich neben Filmdebatten oder Filmdiskursen auch die Filmproduktion und das Kino als solches in einem umfassenden Sinne in den Blick nehmen.

DIETMAR HÜSER (Saarbrücken) lenkte zum Oberbegriff der vierten Sektion, „Erleben“, die Aufmerksamkeit auf den Durchbruch des Phänomens Populärkultur im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, für den die Erlebnisdimension konstitutiv gewesen sei. In diesen Jahrzehnten hätten sich nachdrückliche Erlebniserwartungen des immer breiteren Publikums entwickelt, Bedürfnisse nach Zerstreuung und Vergnügen, die mit kommerziellen Absichten von einem Angebot an spektakulärer Unterhaltung bedient worden seien. Nach 1945 sei es endgültig zur Symbiose von Populärkultur und Konsum gekommen, wobei der starke Einfluss der Jugendkultur nicht den Blick auf populärkulturelle Rezeption durch ältere Generationen verstellen solle.

ALINE MALDENER (Saarbrücken) stellte in ihrem Beitrag westdeutsche, britische und französische Jugendzeitschriften der 1960er- und 1970er-Jahre – „Bravo“, „Fabulous“ und „Salut les copains“ – als Quellen für populärkulturelle Wunschbilder, Normen und Aneignungen dieser ersten Phase eines „fabulous consumerism“ vor. Länderübergreifend zeigten diese Trägermedien der Jugendkultur in ihrer Darstellung beispielsweise vom Auto als erträumten Konsumgut oder der schulischen und beruflichen Ausbildung eine ähnliche Orientierung an grundsätzlichen, westeuropäischen Standards, die für Maldener die Bestätigung einer „Westernisierung“ bildet. Ergänzt wurde diese Beobachtung durch Nachweise transnationaler Referenzen in den Zeitschriften und zwischen den einzelnen Jugendkulturen, deren Unterschiede somit zunehmend abgeschliffen worden seien.

Thematisch eng mit der jugendlichen Konsumkultur zusammenhängend beschäftigte sich KATHARINA BÖHMER (Basel/Zürich) mit den Ende der 1950er-Jahre in etlichen europäischen Ländern auftretenden Jugendkrawallen, im deutschen Sprachraum als „Halbstarkenproblem“ bekannt geworden. An Beispielen aus Großbritannien, der Bundesrepublik, Frankreich und der Schweiz demonstrierte sie, wie in zeitgenössischen Debatten vergleichbare Erklärungsmuster für das als Störung wahrgenommene Auftreten der Jugendlichen erschienen: Dies äußerte sich in Schlagworten der „Amerikanisierung“ und „Massenkonsumgesellschaft“. Gleichzeitig hätten viele der damaligen Beobachter die transnationale Vergleichbarkeit der „Halbstarken“ erkannt, so dass Böhmer einen Ansatzpunkt sieht, anstatt von einer eindimensionalen Amerikanisierung europäischer Jugendkultur von einem komplexer strukturierten, transnationalen Erfahrungsraum auszugehen.

Die Verknüpfung von Populär- und Jugendkultur illustrierte auch KATJA MARMETSCHKE (Hamburg), die in der Modegeschichte der 1960er-Jahre einen „youthquake“ ausmachte: Zunehmend waren nun jüngere Designer und ihre jugendliche Zielgruppe stilbildend und zunehmend veränderten sich Mode und ihre Verbreitungskanäle hin zu einem erschwinglicheren Massen- und Alltagsgut. Exemplarisch ließen sich transnationale Aspekte an den britischen „Mods“ verdeutlichen, die vom Kleidungsstil US-amerikanischer Elite-Universitäten oder von italienischer Herrenmode beeinflusst waren. Die zunächst deutliche Ablehnung, die modischen Neuerungen wie dem Mini-Rock in vielen europäischen Ländern entgegenschlug, und die anschließende, baldige Tolerierung und gesellschaftliche Akzeptanz ließen sich in generelle Verschiebungen der 1960er-Jahre, in Einflussströmungen „von unten nach oben“, einordnen.

Im Sektionskommentar plädierte ULRICH PFEIL (Metz) dafür, bei allen historischen Durchsetzungstrends, die Konvergenzen zwischen den europäischen Gesellschaften aufwiesen, die etwaigen Gegner von Populärkultur und ihre Konflikte mit deren Trägern in Betracht zu ziehen.

In Anknüpfung an diese Fragen nach Trägergruppen und der quantitativen Reichweite der vorgestellten Fallstudien wurden in der Abschlussdiskussion Aspekte zusammengetragen, die ausschlaggebend für auf die Tagung aufbauende Forschungsarbeiten sein könnten. Eine akteurszentrierte Systematisierung der Fallbeispiele wurde als ebenso wichtig erachtet wie der Hinweis auf den Teilsegmentscharakter vieler Untersuchungen, der durch eine noch stärkere Einbeziehung des populärkulturellen „Mainstreams“ auszugleichen sei. Eine wichtige Rolle in der Abschlussdiskussion nahmen überdies Lokalisierungsfragen ein: Während Osteuropa und die (ehemaligen) Kolonien europäischer Staaten als Kontrastfolien vorgeschlagen wurden, deutete ein weiterer Argumentationsstrang eine klarere Binnendifferenzierung der behandelten Länder an, da Konzepte wie Schicht, Stadt oder Land hilfreiche Abstufungen bei der Frage nach Transfer- und Aneignungsprozessen bringen könnten.

Konferenzübersicht:

Dietmar Hüser (Saarbrücken), Empfang, Eröffnung, Einführung

Sektion I – Lesen
Christoph Vatter (Saarbrücken), Einführung und Moderation

Hartmut Nonnenmacher (Freiburg), Die Formierung des Comic-Feldes während der „langen 1960er-Jahre“ in Frankreich, Spanien und Argentinien

Marcel Kabaum (Berlin), Jugendkultur und die USA aus Sicht der Schüler_innen der 1950er-und 1960er-Jahre – Rezeptionen in Schülerzeitungen der BRD

Philipp Gassert (Mannheim), Sektionskommentar

Abendvortrag
Kaspar Maase (Tübingen), Populärkultur, Jugend und Gesellschaftswandel in Deutschland und Europa nach 1945

Sektion II – Hören
Astrid Fellner (Saarbrücken), Einführung und Moderation

Alexander Simmeth (Berlin), „This is what your fathers fought to save you from“ – Der transnationale Erfolg bundesdeutscher Popmusik in den 1970er-Jahren

Egbert Klautke (London), „Muddy Waters?“ – Die britische Invasion: Populäre Musik aus Großbritannien im Amerika der 1960er- und 1970er-Jahre

Dietmar Hüser (Saarbrücken), Sektionskommentar

Sektion III – Sehen
Andreas Fickers (Luxemburg), Einführung und Moderation

Fernando Ramos Arenas (Leipzig), Cinéphiler Kulturtransfer in der DDR und Spanien um 1960

Lukas Schaefer (Saarbrücken), „Von Italien lernen“ – Filmpublizistik der zweiten Nachweltkriegszeit als transfer- und verflechtungsgeschichtliches Untersuchungsfeld

Christian Henrich-Franke (Siegen), Kulturtransfer im „Fenster zur Welt“ – Fernsehprogrammhandel und transnationaler Kulturtransfer im Westeuropa der 1960er-Jahre

Clemens Zimmermann (Saarbrücken), Sektionskommentar

Sektion IV – Erleben
Dietmar Hüser (Saarbrücken), Einführung und Moderation

Aline Maldener (Saarbrücken), Fabulous Consumerism?! Das mediale Bild des jugendlichen Konsumenten in deutschen, britischen und französischen Jugendzeitschriften der langen 1960er-Jahre

Katharina Böhmer (Basel/Zürich), „Blousons Noirs“ – „Teddy Boys“ – „Halbstarke“: Transnationale Jugendkultur als Gesellschaftsproblem in Frankreich, England, der Bundesrepublik und der Schweiz in den 1950er-/1960er-Jahren

Katja Marmetschke (Hamburg), Minirock, Feinstrumpfhose und Weltraumlook: Die populärkulturelle Revolution der Mode in den 1960er-Jahren

Ulrich Pfeil (Metz), Sektionskommentar

Abschlussdiskussion

Citation
Tagungsbericht: Populärkultur transnational – Lesen, Hören, Sehen, Erleben in (west-)europäischen Nachkriegsgesellschaften der langen 1960er-Jahre, 06.10.2014 – 08.10.2014 Saarbrücken, in: H-Soz-Kult, 22.11.2014, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-5690>.
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22.11.2014
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