Albert-Ballin-Forum Hamburg. Interdisziplinäres Symposium zur Globalisierungsforschung

Place
Hamburg
Host/Organizer
Hapag-Lloyd AG, Hamburg; Franz Vranitzky Chair for European Studies, Universität Wien; Historische Museen Hamburg/Museum für Hamburgische Geschichte
Date
06.11.2018 - 07.11.2018
By
Gerulf Hirt, Institut für Geschichte, Lehrstuhl für Geschichte der Neuzeit, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

„Mein Feld ist die Welt“ – so der prägnante Wahlspruch des Selfmademan und Hamburger Reeders Albert Ballin (1857-1918), der die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag) als Generaldirektor zur weltweit größten Schifffahrtslinie des frühen 20. Jahrhunderts führte. Während das Motto des „Mitbegründers der kommerziellen Kreuzfahrt“ und „Vaters der Auswanderung aus Hamburg“ noch vor rund einhundert Jahren ambitioniert geklungen haben dürfte, erscheint es aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive problematisch: Schließlich profitierten sowohl die Hapag als auch Albert Ballin vom Geschäft mit massenhafter Flucht und Migration. Letzterer stand dem wilhelminischen Kolonialismus und Imperialismus – zumindest bis zum Ersten Weltkrieg – keineswegs ablehnend gegenüber. Andererseits ermöglichte die Hapag-Flotte Millionen von Auswander/innen ein neues Leben (vornehmlich in Amerika) und leistete einen ebenso wesentlichen wie nachhaltigen Beitrag zur internationalen Vernetzung von Arbeit und Handel; ein Prozess, den wir heute unter dem – positiv wie negativ besetzten – Rubrum „Globalisierung“ fassen würden.

Zweifellos spiegeln sich in der wenig nuancierten Verwendung dieses schillernden Oberbegriffs essenzielle Hoffnungen und Ängste wider. Die dahinter liegenden Beschleunigungs- und Transformationsprozesse bergen sowohl vielversprechende Chancen als auch große Risiken; etwa wenn die sich immer dynamischer entfaltenden Prozesse der Digitalisierung und Robotisierung (etwa „Industrie 4.0“) alle gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und ökonomischen Sphären durchdringen, was tiefgreifende Konsequenzen für das Arbeiten und Leben im 21. Jahrhundert hat und noch haben wird.

Um sowohl historische als auch aktuelle Globalisierungsprozesse in ihrer komplexen Multidimensionalität sowie mit einer hohen Sensibilität für deren Ambivalenzen und soziokulturelle Implikationen zu reflektieren, wurde nun erstmals das zweitägige „Albert-Ballin-Forum“ in Hamburg anlässlich des 100. Todestages des Namensgebers veranstaltet. Das Programm gliederte sich in ein interdisziplinäres wissenschaftliches Symposium, das in zwei thematisch ineinandergreifenden Sektionen zunächst den Entwicklungsprozessen während der „Ersten Globalisierung“ (ungefähr im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts beginnend und spätestens in den 1920er-Jahren endend) und der Rolle Albert Ballins beziehungsweise der Hapag nachspürte. Anschließend diskutierten Historiker/innen, Journalist/innen und Vertreter/innen aus der Wirtschaft sowie Kommunikations-, Medien-, Politik-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler/innen die höchst aktuelle Frage nach der Bedeutung der „Zweiten Globalisierung“ (etwa seit Mitte der 1980er-Jahre) für die Menschen des 21. Jahrhunderts.

Eng mit dem wissenschaftlichen Symposium verschränkt, markierte ein abendlicher Senatsempfang im Hamburger Rathaus den feierlichen Höhepunkt des Forums: Dort wurde erstmals der von Hapag-Lloyd gestiftete und mit 50.000 Euro dotierte „Albert-Ballin-Preis für globales Handeln“ an die weltweit operierende Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ verliehen. Überdies zeichnete RAINER GRIES (Wien), als Vorsitzender der Jury, zwei Dissertationsschriften aus der Geschichts- und Rechtswissenschaft mit jeweils einem „Albert-Ballin-Förderpreis für Globalisierungsforschung“ (5.000 Euro) aus.[1]

Weder die Zusammensetzung des wissenschaftlichen Symposiums noch die Auswahl der Preisträger/innen lassen einen Zweifel daran aufkommen, dass das Ziel des „Albert-Ballin-Forums“ keinesfalls in einer unreflektierten Überhöhung der Person des Hamburger Reeders oder Hapag-Lloyds bestand. Schon in ihren einführenden Statements betonten die Veranstalter HANS-JÖRG CZECH und NILS HAUPT (beide Hamburg), dass sowohl das Handeln Albert Ballins als auch jenes der Hapag selbstverständlich historisch kontextualisiert und kritisch hinterfragt werden müsse.

Vor dem Hintergrund dieser Zielsetzung gab FRANK MÖLLER (Greifswald) den Rahmen der ersten Sektion vor: In einem prägnanten Überblick konnte er zeigen, dass das Handeln des jüdischen „Wilhelminers“ und der ökonomische Erfolg der Hapag mit den höchst dynamischen Faktoren der sogenannten ersten Globalisierungsphase des späten 19. Jahrhunderts korrelierten: Eine aufkommende Massenmigration mit rund 60 Millionen Auswanderer/innen zeitigte eine nie zuvor dagewesene Internationalisierung von Arbeitsmärkten. Vor diesem Hintergrund setzte die Hapag immer leistungsfähigere Schiffe ein, die maßgeblich zur Transportrevolution beitrugen. Gleichzeitig kam es in Folge einer zunehmenden Integration der Finanzmärkte zu einer immer größeren Kapitalmobilität. Dies ging mit einer qualitativ neuartigen kommunikativen und kulturellen Vernetzung einher. Doch um den Unwägbarkeiten der dynamischen Zeiten zu begegnen, strebte Albert Ballin auch Kartellbildungen an, verstand er den Erfolg der Hapag sogar als eine „nationale Aufgabe“. Ein besonders stark ausgeprägter Wirtschaftsliberalismus und ein politischer Nationalismus bildeten eben kein Gegensatzpaar – eine erstaunliche Parallele zu heutigen Entwicklungen.

Nach dieser konzisen Einführung richtete sich der Fokus auf ökonomische Entwicklungsprozesse zwischen 1850 und 1910 sowie auf die unterschiedlichen gesellschaftlichen „Lasten“ des kolonialen Erbes. ALEXANDER ENGEL (Göttingen) verknüpfte die Analyse der strukturellen Entwicklungen europäischer und US-amerikanischer Volkswirtschaften (mit einem Fokus auf den Außenhandel) in der Phase der Hochindustrialisierung mit diversen Wirtschaftstheorien für oder wider eine Globalisierung und mit zeitgenössischen Wahrnehmungen in öffentlichen Diskursen. In diesem Zeitraum verdreifachte sich das Wirtschaftswachstum, während sich das Volumen europäischer Exporte verachtfachte. Allerdings variierten die Entwicklungen der Exportquoten je nach Land sehr stark. Während angesichts der Auswanderungswellen in Europa die Sorge vor einem „brain drain“ durch Amerika verbreitet war, ging in Übersee die Angst um, zwischen Asien und Europa aufgerieben zu werden.

Im Anschluss an diese makroökonomische Perspektive plädierte JÜRGEN ZIMMERER (Hamburg) eindringlich für eine stärkere Einbeziehung und Reflexion der soziokulturellen wie politischen Dimensionen der Gewinner und Verlierer von Globalisierungsprozessen, zumal internationale Akte der Verflechtung und Vernetzung bereits vor Jahrhunderten eingesetzt hätten. Daher kritisierte er eurozentrische Perspektiven auf Globalisierungsprozesse. Um eine „vollständige Globalisierung“ überhaupt ansatzweise in den Blick zu bekommen, sei eine Perspektivumkehr auf die Opfer und Verlierer notwendig.

In der regen Diskussion hinterfragte SILKE SATJUKOW (Halle) den analytischen Mehrwert der Rede von einer „Kolonialisierung“ oder „Post-Kolonialisierung“ anstelle des Begriffspaars „Erste“ und „Zweite Globalisierung“. Diesen begründete Jürgen Zimmerer überzeugend damit, dass der Begriff der Post-Kolonialisierung Europa nicht mehr analytisch ins Zentrum stelle und somit eine größere Tiefendimension als die eurozentrischen und vor allem auf ökonomische Entwicklungen konzentrierten Begriffe sogenannter erster und zweiter Globalisierungsphasen aufweise.

Anschließend richtete GÜNTER BENTELE (Leipzig) die Perspektive wieder enger auf die Hapag, indem er der historischen Entwicklung der institutionellen und (massen)medialen Unternehmenskommunikation am Beispiel kommerzieller Werbemittel nachspürte. Bemerkenswert war dabei nicht etwa, dass die Hapag spätestens seit Mai 1900 mit einem „Literarischen Büro“ eine eigene Fachabteilung für Öffentlichkeitsarbeit unterhielt, sondern dass deren wenige Mitarbeiter bereits die ganze Bandbreite moderner Unternehmenskommunikation bedienten: von der Veröffentlichung von Pressemitteilungen bis hin zur Eventkommunikation (etwa im Kontext der „Kieler Woche“). Die Unternehmenskommunikation der Hapag war also schon früh sehr darum bemüht, den Beschleunigungs- und Transformationsprozessen auf kommunikativer Ebene Rechnung zu tragen, die zur Jahrhundertwende (nicht nur im deutschen Kaiserreich) immer rasanter auf die Gesellschaft, Medien, Politik und Wirtschaft einwirkten.

Diese höchst dynamischen Entwicklungen subsumierte OLIVER RATHKOLB (Wien) unter dem Begriff der „Turbo-Globalisierung“, worunter er einen nicht linear verlaufenden und alle Sphären durchdringenden Beschleunigungsprozess verstand. Dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft und Politik in der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie spürte Rathkolb virtuos aus einer kulturhistorischen Perspektive nach. Dabei müsse Österreich-Ungarn spätestens seit der militärischen Niederlage gegen Preußen im Jahre 1866 bei Königgrätz als ein „declining empire“ angesehen werden. Auch das bis zu diesem einschneidenen Ereignis größte Schifffahrtsunternehmen im Mittelmeerraum, der in der Hafenstadt Triest gegründete Österreichische Lloyd, habe sich seither im Niedergang befunden und sei schließlich durch die ungarische Dampfschifffahrt verdrängt worden. Am Beispiel dieser ökonomischen wie der übergeordneten politischen Entwicklung in der extrem konservativen Habsburgermonarchie gelang es Rathkolb eindrucksvoll die komplexen Verflechtungen der gesellschaftlichen, ökonomischen, technologischen und politischen Dimensionen der „Turbo-Globalisierung“ herauszuarbeiten – insbesondere die stetige Raum- und Zeitverkürzung sowie die zutiefst herausfordernde Transformation der Lebenswelten aller sozialen Schichten im „nervösen Zeitalter“ (Joachim Radkau) des späten 19. Jahrhunderts, die sich wiederum vor dem Hintergrund einer verspäteten Nationalstaatsbildung und sich intensivierender Demokratisierungsprozesse vollzogen.

Bezugnehmend auf diese länderspezifisch in überaus komplexer Weise miteinander interagierenden Prozesse regte Alexander Engel in der intensiven Diskussion an, den Begriff der Turbo-Globalisierung auf empirischer Grundlage genauer zu überprüfen: Wie bedingten und verhielten sich Beschleunigungs-, Demokratisierungs-, gesellschaftliche Transformations- und Globalisierungsprozesse zueinander?

Mit seiner Laudatio im Rahmen des abendlichen Senatsempfangs lieferte RAINER GRIES (Wien) zugleich eine Art Zwischenfazit und zudem einen Ausblick auf die zweite Sektion des interdisziplinären Symposiums am folgenden Tag: Es lohne sich, das Denken und Wirken Albert Ballins in seiner Zeit kritisch zu hinterfragen, die Ambitionen wie Ambivalenzen seines Handelns auszuloten und vor dem Hintergrund der vielschichtigen Entwicklungen in der „Ersten Globalisierung“ kritisch zu reflektieren. Die damit eng verknüpften Prozesse und insbesondere der Erste Weltkrieg würden uns aber zugleich auch zu einem Vorfühlen und Vordenken über unsere eigene Zeitgenossenschaft, über unsere Zukunftsperspektiven unter den globalen Auspizien der sogenannten Zweiten Globalisierung und über deren Opfer und Verlierer verpflichten.

Insofern griffen die beiden Preisverleihungen für kritisches und verantwortungsvolles Denken und Handeln sowie das wissenschaftliche Symposium eng ineinander. In der zweiten Sektion befasste sich AMRITA NARLIKAR (Hamburg) mit der Frage, ob und – wenn ja – inwiefern sich der multilaterale Handel heute in einer Krise befinde. Mit einem Fokus auf die derzeit aggressiv-nationalistische Wirtschaftspolitik der US-amerikanischen Regierung und zunehmende Handelskriege plädierte sie dafür, insbesondere nationalistische Anti-Globalisierungsnarrative (etwa „America First“) nicht schlicht den Globalisierungsgegnern zu überlassen, sondern stattdessen deren kulturelle Codierung und Funktionen zu hinterfragen sowie die hinter internationalen Verflechtungsprozessen stehenden Mechanismen transparent zu erläutern. Zukünftig sollten gerade Wissenschaftler/innen enger interdisziplinär miteinander kooperieren sowie sich intensiver mit der breiten Öffentlichkeit vernetzen und ökonomische wie soziokulturelle Zusammenhänge (etwa durch die Formung einer Social Media-Bewegung) besser erklären, um einen nachhaltigen Beitrag zur Integration der sogenannten Globalisierungsverlierer zu leisten.

JÜRGEN BEYER (Hamburg) knüpfte gewissermaßen an seine Vorrednerin an, indem er die Folgen des US-amerikanischen Wirtschaftsnationalismus am Beispiel des Markenherstellers Harley Davidson thematisierte. Als die „amerikanische Ikone“ einen Produktionsstandort in Europa aufbauen wollte, kritisierte Donald Trump diese Strategie vehement als gänzlich „unamerikanisch“. Anschließend schilderte Beyer diverse Standortstrategien mit denen Unternehmen auf wirtschaftsnationalistische Strategien reagieren könnten.

Im Hinblick auf den Vortrag von Amrita Narlikar gab ANNA GEIS (Hamburg) zu bedenken, dass Wissenschaftler/innen häufig als Teil des „Establishments“ gelten würden und deshalb womöglich schwerlich in der breiten Bevölkerung als unabhängige Wissensvermittler akzeptiert werden dürften. Nach einer kontroversen Diskussion setzte sich der luzide Vortrag von LUDGER PRIES (Bochum) aus sozialwissenschaftlicher Perspektive mit der fundamental veränderten Mobilität (Migration und Wanderarbeit) von Menschen im 21. Jahrhundert auseinander. Die damit verbundene Raum- und Zeitverdichtung würde insbesondere durch substantiell verbilligte Transportmittel und die globale Präsenz transnationaler Kommunikationsmittel ermöglicht oder katalysiert, wobei dennoch regional und sozial fokussierte Migrations- und Mobilitätsmuster erhalten blieben. Die Gründe für (Arbeits-)Migration seien zudem vielfältig, landes- und branchenspezifisch (etwa sei in den letzten zehn Jahren eine starke Einwanderung aus kleineren EU-Staaten wie in Bulgarien ausgebildeter Ärzte nach Deutschland zu beobachten) und würden eng mit der komplexen Beschleunigungsspirale aus ökonomischen, sozialen und technischen Faktoren zusammenhängen. Insgesamt sei ein zunehmendes Ineinandergreifen von Gütern, Dienstleistungen, Kapital und Menschen zu beobachten, wohingegen Regulierungen für internationale Migration eher schwach ausgeprägt seien.

Schließlich lenkte DALIA MARIN (München) den Blick auf die aktuelle Debatte um die zukünftige Bedeutung der Robotisierung für die Entwicklung der globalen Wertschöpfungsketten seit der sogenannten Hyperglobalisierungsphase, die ungefähr seit dem Millennium eingesetzt habe. Seit etwa 2011 könne eine zunehmende Rückverlagerung der industriellen Produktion aus Billiglohnländern in die wohlhabenderen Ausgangsstaaten („Reshoring“) beobachtet werden. Je roboterintensiver ein reiches Industrieland sei, desto weniger habe (nach der Finanzkrise) eine Produktionsverlagerung stattgefunden. Tatsächlich deute vieles darauf hin, dass intelligente Maschinen insbesondere in Westeuropa tendenziell und sukzessive qualifizierte Arbeit ersetzen werden.

In der sich anschließenden Diskussion betonte THOMAS AHBE (Leipzig) dankenswerterweise den Wert von Bildung jenseits ihrer ökonomischen Dimension, der schon allein aus Gründen des sozialen Friedens nicht unterbewertet werden dürfe. Silke Satjukow problematisierte den bemerkenswerten Widerspruch, dass einerseits immer mehr Hochqualifizierte (wie etwa Ärzte) in reiche Industrieländer einwandern würden, während der Einsatz künstlicher Intelligenz gleichzeitig zu einem rückläufigen Bedarf an eben solchem Personal führen sollte. Um dieser wichtigen Frage nachzugehen wäre eine genauere Differenzierung der konkret betrachteten Arbeitsbereiche beziehungsweise Branchen notwendig gewesen.

Abschließend resümierte PETER-MATTHIAS GAEDE (Hamburg) in ebenso erfrischender wie nachdenklicher Weise die Ergebnisse des durchweg spannenden Symposiums: Das Phänomen „der“ Globalisierung sei weder eine genuin neue noch eine klar zu terminierende Erscheinung, sondern eine Verschmelzung evolutiver Prozesse mit Beschleunigungsphasen. Es stelle sich vor allem die Frage, wer diese Prozesse zukünftig steuere und Gerechtigkeit definiere. Wie werden sich die Arbeits- und Lebenswelten von Millionen Menschen verändern? Kann eine globalisierte Wirtschaft auch Demokratie schaffen / erhalten und welche Rolle werden politische Systeme überhaupt noch spielen? Zweifellos ist Gaede zuzustimmen, dass letztendlich über allem die Frage nach der Moral stehen werde. Unter gänzlich anderen Vorzeichen als heute dürfte sich auch Albert Ballin diese Kernfrage zeitlebens gestellt haben, wenn man seinen Briefen glauben schenken darf, die ein in Frack und Zylinder gekleideter Darsteller am Ende des Forums vorlas.

Insgesamt zeigte das Symposium eindrücklich, dass globaler Handel dringend moralisches Handeln und soziale Gerechtigkeit benötigt, um ein weitgehend friedliches Zusammenleben der Völker zu ermöglichen. In diesem Sinne und auf die heutige Zeit übertragen, wäre Albert Ballins Wahlspruch „Mein Feld ist die Welt“ als ein kosmopolitischer Anspruch und zugleich als eine moralische Verpflichtung zu verstehen, der es wert ist nachzueifern. Die hohe Qualität der interdisziplinären Auseinandersetzung mit der Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Globalisierungsprozessen lässt jedenfalls sehr auf eine Fortsetzung des „Albert-Ballin-Forums“ hoffen.

Konferenzübersicht:

Teil 1: Albert Ballin und die erste Globalisierung

Moderation: Hans-Jörg Czech (Hamburg)

Frank Möller (Greifswald): „Mein Feld ist die Welt“: Albert Ballin und die erste Globalisierung

Alexander Engel (Göttingen): Nützliche Bande, harte Fesseln: Die ökonomische Verflechtung der Welt um 1900

Jürgen Zimmerer (Hamburg): Koloniales Erbe: Die postkoloniale Globalisierung vom Anfang her erzählt

Günter Bentele (Leipzig): Kommunikation in Zeiten medialer und gesellschaftlicher Globalisierung: Die Entwicklung der Unternehmenskommunikation der Hapag/Hapag-Lloyd

Oliver Rathkolb (Wien): Die erste Turbo-Globalisierung vor 1914: Kulturgeschichtliche Überlegungen

Empfang des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg im Rathaus mit feierlicher Verleihung des „Albert-Ballin-Preises für globales Handeln“ und der „Albert-Ballin-Förderpreise für Globalisierungsforschung“ mit Laudationes von Rainer Gries (Wien) und Ilija Trojanow (Wien)

Teil 2: Die Menschen und die Globalisierung im 21. Jahrhundert

Moderation: Nils Haupt (Hamburg)

Amrita Narlikar (Hamburg): Trade Wars Today: Is the Multilateral Trading System in Crisis, and What Can Be Done About It?

Jürgen Beyer (Hamburg): Wirtschaftsnationalismus in der globalen Weltwirtschaft des 21. Jahrhunderts: Wie amerikanisch kann Harley Davidson eigentlich sein?

Ludger Pries (Bochum): Migration und Wanderarbeit: Was ist neu im 21. Jahrhundert?

Dalia Marin (München): Eine neue Ära des Welthandels? Die Rolle der Roboter

Schlussakkord: Was bleibt?
Peter-Matthias Gaede (Hamburg)

Schlussworte
Nils Haupt (Hamburg)

Anmerkung:
[1]Johanna Beamish, Im Transit auf dem Ozean. Schiffszeitungen als Dokumente globaler Verbindungen im 19. Jahrhundert, Frankfurt am Main / New York 2018; Felix Hadwiger, Contracting International Employee Participation. Global Framework Agreements, Cham 2018.

Citation
Tagungsbericht: Albert-Ballin-Forum Hamburg. Interdisziplinäres Symposium zur Globalisierungsforschung, 06.11.2018 – 07.11.2018 Hamburg, in: H-Soz-Kult, 08.01.2019, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-8049>.