Was unterscheidet die Muschelkette aus Waldbillig von der Igeler Säule? Von der trans- zur metanationalen Perspektive in der Nationalgeschichte am Beispiel Luxemburgs

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Michel Pauly, Laboratoire d'Histoire, Universität Luxemburg

Einleitung*
Zwei Erfahrungen vorab: „Der älteste Luxemburger“ lautete der Titel der Vitrine, in der im Musée national d’histoire et d’art in Luxemburg bis zum Umbau von 2002 das 1935 ausgegrabene und in den 1980er Jahren neu datierte Skelett aus Reuland-Loschbur zu sehen war,[1] das auf die Zeit ±7200 B.P. datiert wird.[2] Der Name Luxemburg wurde aber erstmals in einer wahrscheinlich 987 redigierten, auf 963 datierten Urkunde gebraucht.[3]

Bei den Vorarbeiten zu einer Tagung über Kaiser Sigismund [4] stellte sich die Frage: Gehört der aus dem Luxemburger Herrscherhaus stammende Kaiser und König von Ungarn überhaupt zur Luxemburger Nationalgeschichte? Die Mehrheit der Luxemburger würde mit einem klaren Ja antworten, nach dem Motto „Wir hatten Kaiser“, wie andere sagen: „Wir sind Papst“. Schon 1937 war ihm eine Luxemburger Briefmarkenserie gewidmet worden, nachdem seine Vorgänger Heinrich VII., Karl IV. und Wenzel in den drei Jahren zuvor auf dieselbe Art geehrt worden waren. Seitdem die Luxemburger Historiker im 19. Jahrhundert ihren Beitrag zum nation building geleistet und dabei vorrangig die glorreiche Zeit der sog. Luxemburger Kaiser im 14.-15. Jahrhundert hervorgehoben hatten und zugleich die Periode zwischen Mittelalter und 19. Jahrhundert als Zeit der Fremdherrschaft abqualifiziert hatten, ist eine solche Sichtweise nicht überraschend.

In seinem 1918 geschriebenen Schulbuch für die Gymnasien, das bis 1972 immer wieder neu aufgelegt wurde und das Geschichtsbild von Generationen von jungen Luxemburgern prägte, schreibt Arthur Herchen [5]: „Von diesem Datum an [der Eroberung Luxemburgs durch Philipp von Burgund, 1443] hatte unser Land während fast vier Jahrhunderten keine eigene Dynastie mehr noch eine eigene politische Existenz. Seine Geschichte deckt sich mit jener der großen Staaten, mit denen es nacheinander vereinigt war, ohne dass jedoch die Luxemburger die Erinnerung an ihre Unabhängigkeit oder das Bewusstsein ihrer nationalen Individualität verloren hätten.“ Herchen setzte Dynastie und Territorium bzw. Nation gleich. Wie seine Zeitgenossen gebrauchte er einen essentialistischen Nationenbegriff.

Aufgrund solcher Erfahrungen stand ich in Bezug auf Luxemburg vor derselben Frage, die Hagen Schulz sich schon 1989 stellte [6]: „Gibt es überhaupt eine deutsche Geschichte?“ Vielleicht lässt sie sich leichter anhand der Luxemburger Geschichte beantworten. Dabei möchte ich die seit etlichen Jahren vor allem im Internet geführte Debatte über Vergleich, Transfer, Verflechtung und transnationale Umorientierung der Geschichtswissenschaft aufgreifen,[7] die, wie Helmut Kaelble bedauert, „weder von den Frühneuzeit- noch von den Mittelalterhistorikern rezipiert“ wurde und vornehmlich zwischen deutschen und französischen Sozial- und Literaturhistoriker(inne)n geführt wird,[8] in die sich aber seit wenigen Monaten vermehrt auch angelsächsische Historiker(innen) einbringen.

Transnationalität in der Luxemburger Geschichte
„Man versteht die Geschichte einer Nation nicht, wenn man sie nur begrenzt auf die Nationalgeschichte schreibt,“ meint Hartmut Kaelble.[9] Ich beginne daher mit einer Reihe von Beispielen, die historischen Phänomenen struktureller und/oder ereignisgeschichtlicher Natur nachspüren, die ohne Blick über die heutigen Landesgrenzen des Großherzogtums hinaus nicht verständlich sind.

In einer Diaklase-Höhle bei Waldbillig im Tal der Schwarzen Ernz fanden die Archäologen Überreste einer Kette aus Muscheln, die der Gattung der dentalium vulgare angehören, die es weder an der Nordsee noch im Ärmelkanal gibt, die aus dem Atlantik oder dem Mittelmeer stammen, die also eine Reise von mindestens 1000 km Luftlinie hinter sich hatten, bevor sie in Waldbillig verloren gingen oder vergraben wurden.[10] Die Kette ist der Beweis für Wanderbewegungen oder zumindest Handelsbeziehungen des Luxemburger Raums mit der Atlantik- oder Mittelmeerküste vor rund 7000 Jahren.

Ebendort und auch andernorts im Großherzogtum gefundene Töpfe mit dem Sparrenmuster zeigen, dass der Raum Luxemburg um 4900-4300 v. Chr. zur Rössenkultur gehörte,[11] deren Verbreitungsgebiet bislang weiter östlich zwischen Rhein, Donau und Oder angenommen wurde.[12] Dasselbe gilt für die etwas ältere Bandkeramik-Kultur (5300-4900 v. Chr.), deren Überreste auch in Luxemburg nachgewiesen wurden.[13] Zivilisationen, Ideen, Techniken, wenn nicht auch Menschen zirkulierten in einem weiten Gebiet, das von der Oder bis an die Mosel reichte. Aber auch von Westen kamen Einflüsse, wie sich in den Keramikdekors bestimmter Töpfe zeigt, die in Waldbillig-Karelslé gefunden wurden und dem Pariser Stil zuzuordnen sind.[14]

Selbst die ältesten Artefakte, die auf Luxemburger Territorium entdeckt wurden,[15] wie das Faustkeil von Remich-Buschland (500 000-250 000 B.P.) oder die Messer, Schaber, Bohrer aus Silex, die etwa 15 000 Jahre alt sind, sind Zeugnisse für menschliche Wanderungen oder Warentransporte, denn weder der Quarzit noch der Feuerstein sind Gesteinsformationen, die in der für solche Werkzeuge notwendigen Qualität in Luxemburgs Untergrund vorkommen. Selbst unbearbeitet wären sie ein Beleg für menschliche Aktivität und Handelsbeziehungen. Während der Quarzit noch aus dem nahen Sierck (im französischen Lothringen) stammen könnte, kamen die meisten Sileximporte aus dem Pariser Becken oder aus dem Rhein-Maas-Becken, etwa aus der Gegend von Maastricht.[16]

Dem keltischen Fürsten, der sich um 80-65 v. Chr. bei Küntzig/Clémency begraben ließ, waren u. a. zehn Amphoren, ein Bronzebecken und eine campanische Leuchte mit ins Grab gegeben worden, die seine guten Beziehungen zur Mittelmeerwelt dokumentieren, die er schon eine Generation vor der Eroberung Galliens durch Cäsar unterhalten hatte.[17] In den fünf Gräbern von Göblingen-Nospelt,[18] die zwischen 50 und 15 v. Chr. für treverische Fürst(inn)en errichtet worden waren, konnten die Archäologen eine regelmäßige Zunahme des Anteils der Importwaren feststellen. Aber auch die gallischen Keramikformen wurden vermehrt mit römischer Technik hergestellt, während mit der Beigabe von Waffen die keltische Fürstentradition bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. aufrecht erhalten blieb. Die steigende Anzahl von Tellern in diesen Gräbern – viele von einer Töpferei aus Arezzo – beweisen nicht nur die zunehmenden Handelsbeziehungen, sondern auch die Umstellung der treverischen Oberschicht auf römische Essgewohnheiten. Die keltischen Bestattungsrituale wurden hingegen nicht so schnell aufgegeben. Gegen Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. wurde ein Angehöriger der keltischen Oberschicht, der als ritterlicher Offizier in der römischen Armee gedient hatte, nach römischer Sitte eingeäschert und seine Überreste in einer steinernen Urne bei Hellingen beigesetzt, doch nach gallischer Sitte wurde ihm auch sein Prunkhelm mit ins Grab gelegt [19]: also eine militärische Beigabe wie sie schon bei seinen Vorfahren in Küntzig und Goeblingen üblich gewesen war. Das monumentale Grabmal von Bartringen zeigt, dass die Akkulturation je nach sozialer Schicht unterschiedlich schnell erfolgte: Schon um 30-45 n. Chr. (vorläufige Datierung) ließ der Besitzer eines großen Gutshofes ein Denkmal im römischen Stil errichten, dessen Reliefs einen Reiterkampf zwischen Römern und Galliern darstellten.[20] Diese Grabmonumente fanden mit zunehmender Romanisierung immer größere Verbreitung.[21] Eines der spätesten Beispiele war die Igeler Säule aus der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts, auf der die Trierer Grundbesitzer- und Tuchhändlerfamilie der Secundini ihre wirtschaftlichen Tätigkeiten darstellen ließ. Daneben ließ ein Maurer auf seinem bescheidenen Steingrab ebenfalls sein Werkzeug einmeißeln.[22] Aus keinem dieser Gräber sind Beigaben überliefert.

Die Entwicklung der Bestattungssitten und Grabdenkmäler ist ein plastisches Beispiel für einen spannenden Kulturtransfer und einen Akkulturationsprozess, für den Matthias Middell – auf ganz andere Epochen und Räume bezogen – das Rezeptionsbedürfnis der Aufnahmekultur zurecht als pertinentere Erklärung ansieht als den bislang überbetonten Exportdrang der Eroberer oder Einwanderer.[23] Italische Graffiti auf Tellern oder auch Statuen klassischer römischer Gottheiten wie Jupiter, Juno oder Merkur, die im gallo-römischen Städtchen Dalheim gefunden wurden,[24] zeigen, dass es nicht beim Kulturtransfer geblieben ist, sondern dass sich auch Menschen mit anderen religiösen Vorstellungen hier niedergelassen haben.

Mit Ausnahme der Prunkvilla in Echternach, die wohl von einem Architekten mediterraner Herkunft geplant worden war, da sie anfangs nur einen geheizten Raum enthielt, dafür aber Marmortäfelungen und ein Peristyl nach italischem Vorbild,[25] behielten alle Gutshöfe aus dem 1.-4. Jahrhundert n. Chr. den rechteckigen Grundriss eines keltischen Langhauses bei, setzten nur die römische Säulenhalle und zwei Eckrisalite davor und ersetzen Holz und Stroh durch Steine und Dachziegel.[26] Andere Elemente gallischer Herkunft wie der Kapuzenmantel oder die Hose wurden auch nicht aufgegeben und eher von den Römern übernommen. Dasselbe gilt für eine Reihe von Vokabeln, die Aufnahme ins Latein fanden, weil die Römer weder Sache noch Begriff kannten, sie aber von den Kelten übernahmen.[27] Es ist also richtig, eher von einer gallo-römischen Mischkultur zu sprechen als von einer Romanisierung, die einen einseitigen Kulturtransfer suggeriert. Der Titel „Wie aus Galliern Römer wurden“ wäre für den Trevererraum nicht passend.[28]

Das Mittelalter wird im Raum Luxemburg eingeläutet mit den Buchmalereien aus der Abtei Echternach. Das älteste Evangeliar, mit dem Imago hominis zu Beginn des Matthäus-Evangeliums, dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach durch Willibrord von den britischen Inseln mitgebracht worden sein. Das typische Flechtbanddekor wurde dann selbst für das steinerne Ambo nachgeahmt.[29] Als eine Generation später das sog. Trierer Evangeliar angefertigt wurde, lag dem illustrierenden Mönch ganz sicher Willibrords Evangeliar als Vorbild vor, wie die Gestaltung der Rahmen und der Schriftzug Imago hominis unschwer erkennen lassen, doch die neue, realistische Darstellung des Menschen in der Bildmitte zeigt, dass es nunmehr neben den insularen auch mediterrane Einflüsse gab bzw. dass im Konvent neben angelsächsischen auch südeuropäische Mönche lebten und zeichneten.[30] Im übrigen wurde das von den britischen Inseln nach Echternach gebrachte Christentum dank der dort gestarteten Missionsreisen auf den Kontinent, nach Friesland und Thüringen, ausgestrahlt.

Die Karte der Heiratsverbindungen von Mitgliedern des Ardennerhauses zeigt, dass Graf Siegfried nicht nur der Erbauer der Luxemburg war, sondern einer Familie angehörte, die weit über den Luxemburger Raum hinaus in ganz Nordwesteuropa Beziehungen unterhielt und Macht ausübte.[31]

Wichtige Entwicklungen in der Luxemburger Territorialgeschichte wie die Einführung einer Propsteiverwaltung durch Theobald von Bar und seine Frau Ermesinde von Luxemburg, die Ausstellung von Freiheitsbriefen durch Gräfin Ermesinde für die Städte Echternach und Luxemburg, die Gründung der Schobermesse durch Graf Johann den Blinden geschahen aufgrund ausländischer Vorbilder und im überregionale Kontext. Die Beweggründe für solche Initiativen lagen oft außerhalb der Grafschaft: Als Graf Johann der Tucherzunft in der Stadt Luxemburg einen Privilegienbrief ausstellte, begründete er das mit den Schwierigkeiten, die Luxemburger Tuchhändler wegen eines fehlenden Qualitätsnachweises auf auswärtigen Messen erlebt hatten.[32]

Geht man weiter zur Frühen Neuzeit, ist selbstverständlich, dass die Luxemburger Humanisten nur im Rahmen der europäischen Renaissance zu verstehen sind: Sie schrieben die Weltsprache Latein, studierten in Löwen, Trier, Köln, Heidelberg oder Paris,[33] machten im Ausland Karriere, wie Nikolaus Mameranus am Hof Karls V., doch die Linien und Richtungen der gegenseitigen Beeinflussung bedürfen noch einer eingehenderen Aufarbeitung.[34]

Grabsteine aus Schiefer gelten als typisch für die im Norden Luxemburgs liegende Region Ösling und darüber hinaus für die Ardennen, die im 18. Jahrhundert noch weitgehend zum Herzogtum Luxemburg gehörten. Während für etliche Zeitgenossen das Ösling wegen seiner Abgeschiedenheit als Reliktraum für urwüchsiges Luxemburgertum gilt, muss festgehalten werden, dass es Tiroler Bildhauer waren, die im 18. Jahrhundert die Technik der Schieferbearbeitung dort einführten.[35] Auch die im deutsch-luxemburgischen Grenzraum liegenden Schlösser des Barockzeitalters, die zum großen Teil der Bautätigkeit Echternacher Äbte zu verdanken sind, stehen nicht nur auf Luxemburger Boden, sondern auch in der Eifel und an der Untermosel. Architekten in Echternacher Diensten waren lothringische und österreichische Fachleute wie Leopold Durand und Sigismund bzw. Paul Munggenast.[36]

Die politische Geschichte Luxemburgs im 19. Jahrhundert, d. h. der Aufbau eines unabhängigen Staates und seine Durchsetzung bis heute, lässt sich nur im Rahmen der europäischen Staatenwelt des 19. und 20. Jahrhundert erklären.[37] Auch wenn Peter Hacker wohl zurecht in seiner jüngst erschienen Dissertation die angebliche Begeisterung der Luxemburger für einen Einheitsstaat mit Belgien zurechtstutzt,[38] so bietet sich die Geschichte der Jahre 1830-39, als Luxemburg (mit Ausnahme der Hauptstadt, die Bundesfestung war) zum neuen belgischen Staat gehörte, doch als schönes Beispiel für shared history oder histoire croisée an.[39]

Die Einführung des Frauenwahlrechts im Zuge des allgemeinen Wahlrechts im Jahr 1919 ist sicher ein Verdienst der Luxemburger Frauenbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts,[40] doch sie ist nur im Rahmen einer europäischen Bewegung zugunsten des allgemeinen Wahlrechts korrekt zu interpretieren.

Die Schüler- und Studentenunruhen von 1968 ergriffen Luxemburg mit etwas Verspätung bis 1971.[41] Wohl hatten die Luxemburger Studenten eigene Gründe, gegen die verstaubte Hochschulpolitik ihrer Regierung zu protestieren, doch die Bewegung wäre ohne die ausländischen Vorbilder kaum zustande gekommen. Zumindest ein Teil der Themen war von Natur aus transnational: Protest gegen den Vietnamkrieg gab es in Paris, Berlin und Washington.[42]

Die Entwicklung der Luxemburger Wirtschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird allgemein als Basis für die success story der Luxemburger Unabhängigkeit angesehen.[43] Ohne die Entstehung einer erfolgreichen Stahlindustrie wäre das 1815 geschaffene Großherzogtum wohl kaum überlebensfähig gewesen. Auch diese Entwicklung kann nur im Rahmen der sukzessiven Beteiligung Luxemburgs an supranationalen Wirtschaftsräumen vom Zollverein über die belgisch-luxemburgische Wirtschaftsunion, Benelux, EGKS und EWG bis zur Europäischen Union erklärt werden. Den Wirtschaftshistorikern war schon immer stärker bewusst, dass sich ihr Forschungsgegenstand rein nationalstaatlichen Grenzen und Sichtweisen entzog.[44] Umso überraschender ist, dass die Geschichte der luxemburgischen wie der saarländischen und der lothringischen Industrialisierung, d. h. insbesondere der Anfänge der Stahlindustrie, erst seit kurzem als Teil des transnationalen Eisenerzbeckens sowie der benachbarten Kohlebecken untersucht wird.[45] Dadurch wurden die nationalstaatlichen Steuerungsversuche und die Anfänge der sog. Luxemburger Nischenpolitik, die gerade zur unterschiedlichen Entwicklung in Luxemburg im Vergleich zum Saarland und Lothringen führte, stärker betont als die ursprünglich gemeinsamen Entwicklungsbedingungen.[46] Dass den Wirtschaftspolitikern des 19. Jahrhunderts diese transnationalen Zusammenhänge schon bewusst waren, geht aus einem Werbeprospekt von 1856 hervor, das Investoren für die zu gründende Luxemburger Eisenbahngesellschaft anwerben sollte: Die beigefügte Karte zeigte deutlich die Mittellage des Luxemburger Eisenerzbeckens zwischen dem belgischen Kohlebecken an der Maas und dem saarländischen Kohlerevier und im Text hieß es: „Es ist sicher, dass sobald die Verbindungen nach Arlon und Diedenhofen fertiggestellt sind, die den Rückgriff auf die Kohle aus Lüttich und Saarbrücken erlauben werden, die Eisenproduktion im Großherzogtum Luxemburg einen bedeutenden Aufschwung erleben wird, der Luxemburg zum Mittelpunkt der meisten Industriemärkte Europas machen wird.“ Und folglich sei an substanziellen Gewinnausschüttungen zugunsten der Eisenbahnaktionäre nicht zu zweifeln.[47]

Da die Volkskunde lange Zeit als Domäne der Nationalisten galt, die mit ihrer Hilfe die Volksseele zu ergründen suchten, sei darauf hingewiesen, dass selbst sog. Nationalgerichte nicht nur innerhalb nationaler Grenzen verköstigt werden: Der sog. Luxemburger Kachkéis ist offenbar burgundischer Herkunft; der Judd mat Gaardebounen wird nicht nur ebenfalls im Saarland und in Lothringen genossen, der Begriff Judd selbst ist offenbar spanischer Herkunft und bezeichnet eine Bohnenart.[48] Es überrascht daher nicht, dass in einem Kochbuch der Luxemburger Küche auch Rezepte für pizza, spaghetti alla carbonara und pasta asciutta zu finden sind.[49] Doch infolge des Kulturtransfers haben diese Gerichte, die sich mit der nach 1870 einsetzenden italienischen Einwanderung in Luxemburg verbreiteten, eine andere Funktion erhalten: von prime piatte in der italienischen Küche wurden sie in der luxemburgischen zu Hauptgerichten, denn die Einwanderer haben die Essensabfolge nicht beeinflusst. Schon in gallo-römischer Zeit hatte sich der kulinarische Bereich am ehesten für den Akkulturationsprozess geöffnet.

Die Migrationsgeschichte[50] habe ich weitgehend ausgeklammert, außer dass ich zu zeigen versucht habe, dass es Wanderungen nicht erst seit dem Industriezeitalter gibt.[51] Migrationsgeschichte gilt sozusagen als Exerzierfeld für transnationale Studien.[52] Am Schluss sei nichtsdestoweniger auf ein Beispiel aus der Sportwelt hingewiesen, die sich leider zur Hochburg des Nationalismus entwickelt hat: Es gibt nämlich genügend Belege dafür, dass gerade der Sport ein bedeutender Integrationsfaktor war, sei das – wie das Beispiel des Escher Fußballvereins Jeunesse oder der Düdelinger Alliance zeigen – durch Aufnahme von italienischen Immigranten in Luxemburger Mannschaften, sei es – wie das Beispiel des ersten ausländischen Tour-de-France-Gewinners François Faber zeigt – durch transnationale Wettbewerbe: Der Luxemburger Faber war Dockarbeiter in Paris, bevor er sich dem Radsport verschrieb und schließlich als sog. Freiwilliger in der französischen Armee 1916 das Leben auf dem Schlachtfeld verlor.[53]

Die Beispiele mögen genügen, um zu zeigen, dass Kiran Klaus Patel recht hat, wenn er schreibt[54]: „Erstens ist die transnationale Perspektive unverzichtbar, um Nationalgeschichte besser zu verstehen. (...) Erst in transnationaler Perspektive wird man der Nationalgeschichte gerecht. Erst so werden Konstruktionscharakter und Fragilität der Nation deutlich, aber auch ihre enorme Medienmobilisierung und ihr verblüffender Erfolg in der Weltgeschichte der Späten Neuzeit. Zweitens weist die transnationale Geschichte über die Nationalgeschichte hinaus.“

Transnationalität in der Luxemburger Geschichtsschreibung
Eine solche transnationale Sicht auf die Geschichte des Landes ist in der Luxemburger Geschichtsschreibung nicht völlig neu. Angesichts der Grenzerfahrung, die man in einem kleinen Land wie Luxemburg täglich macht, ist ein solcher Ansatz auch vielleicht selbstverständlicher als bei großen Nationen.

Die Beispiele aus der Vor- und Frühgeschichte haben gezeigt, dass der Vergleich mit international erstellten Typologien in der Archäologie Forschungstradition ist und dadurch auch ‚neue’ Siedlungs- und Kulturräume erschlossen werden können, die völlig unabhängig von den nationalen Grenzen des 19. Jahrhunderts waren. Es gab in Luxemburg nie den Versuch, mit archäologischer Hilfe eine Hermann- oder Vercingetorix-Figur bzw. einen darauf gründenden Mythos aufzubauen. Auch im 2002 neueröffneten Nationalmuseum scheuen die Archäologen nicht davor zurück, Entwicklungen der Vor- und Frühgeschichte anhand von Modellen zu illustrieren, die Beispiele aus dem Ausland darstellen (Modell eines altsteinzeitlichen Zeltes aus Gönnersdorf bei Neuwied oder eines keltischen Gutshofes aus Verberie in der Pikardie).

Hatten die Luxemburger Historiker des 19. Jahrhunderts nicht auf eine keltische Gründerfigur zurückgegriffen, so hatten sie umso eifriger mittelalterliche Gründerfiguren aufgebaut: Siegfried, den Erbauer der (Luxem)burg, der ihnen als Gründer von Stadt und Land gilt; Heinrich VII., der dem Grafenhaus eine imperiale Zukunft eröffnete und der dank der Belehnung und Heirat seines Sohnes mit der böhmischen Erbtochter Luxemburg für die ‚große weite Welt’ öffnete;[55] Johann den Blinden, den Held von Crécy, den schon die zeitgenössischen Dichter als Inbegriff der Lehnstreue besungen haben und der als Schöpfer der Schobermesse bis heute die populärste historische Figur in Luxemburg ist. Demgegenüber haben seit 1980 die Luxemburger Mediävisten die Journées Lotharingiennes organisiert, die im Zweijahresrhythmus Forscher aus dem alten Lotharingien und aus angrenzenden Gebieten in Luxemburg zusammenführen, um sich mit der Geschichte eines Raumes zu beschäftigen,[56] der durch die nationalstaatlichen Grenzen nicht mehr durch eine gemeinsame Geschichtsschreibung erfasst wird noch von den national orientierten Universitäten als Einheit erforscht wird. Luxemburg gilt in diesem Ansatz nur als ein Territorium unter anderen im Großraum zwischen Nordsee und Jura, zwischen Schelde und Rhein.

Gilbert Trausch, der bekannteste Luxemburger Zeithistoriker der letzten dreißig Jahre, antwortete 1982 in der Zeitschrift forum auf die Frage, was denn eine Nation ausmache[57]: „Was braucht man zu einer Nation? Man braucht ein Territorium, eine Sprache und eine gemeinsame Vergangenheit. Im Falle Luxemburgs würde ich ein viertes Element hinzufügen: das Wohlwollen der Nachbarstaaten.“ Man könnte fast behaupten, Trausch habe einen transnationalen Ansatz avant la lettre definiert, zu einer Zeit, als weder in Deutschland noch in Frankreich ein solcher Begriff gebraucht wurde. Luxemburger Staatswerdung und nation building sind für ihn als vom Ausland abhängige Entwicklungen zu verstehen. Trausch hat diesen Gedanken in den folgenden Jahren konsequent weitergeführt und in den von ihm organisierten Feierlichkeiten zum 150. Jahrestag der Luxemburger Unabhängigkeit (1989) in einer großen Ausstellung und in der Festrede vor versammelten Staatsoberhäuptern formvollendet zum Ausdruck gebracht[58]: „Das Großherzogtum ist eine Schöpfung der Großmächte,“ meinte er damals. Und die Nation war die Frucht der Staatsbildung, nicht umgekehrt wie in Deutschland und Italien.[59] Jüngere Forscher würden sicher die Aussage in Bezug auf Deutschland und Italien in Frage stellen,[60] doch Trausch selbst scheint seine Aussagen vergessen zu haben, denn in der 2002 in Toulouse herausgegebenen Histoire du Luxembourg schreibt er[61]: „Zwei Merkmale kennzeichnen den Weg Luxemburgs zur Nation: Der Staat geht der Nation voraus und schafft sie erst; sie definiert sich zunächst negativ. Da sie weder Deutsche noch Belgier noch Franzosen sein wollen, sind die Einwohner des Großherzogtums gezwungen, sich als Luxemburger zu verstehen.“ Damit unterstreicht er wieder eine angebliche Einzigartigkeit Luxemburgs. Dass er seit den 1980er Jahren auch im 16.-18. Jahrhundert nach Indizien für ein frühes Nationalbewusstsein suchte,[62] zeigt, auch wenn er stets nur einen Provinzpartikularismus fand, der sich nur unwesentlich von jenem in anderen Provinzen der habsburgischen Niederlande unterschied, dass Trausch letzten Endes auch einen essentialistischen Nationenbegriff vertritt. Implizit unterstellt er der Nationalgeschichte eine teleologische Tendenz: die gesamte Geschichte lief auf die unabhängige Staatsbildung hinaus, auch wenn das Volk sich dessen nicht im voraus bewusst war. Es ist daher nur logisch, dass Trausch in der Wirtschaftsgeschichte beispielweise nur die nationalstaatlichen Steuerungsversuche und Opportunitäten unterstreicht, die transnationalen Entwicklungsbedingungen und -ähnlichkeiten aber vernachlässigt.[63]

Man wird nicht leugnen können, dass die Luxemburger Geschichtsschreiber immer wieder über die nationalen Grenzen des 19. Jahrhunderts hinausschauten, z. T. sogar mit Stolz, da das mittelalterliche Territorium um ein vielfaches größer war. Von einem nationalstaatlichen Referenzrahmen hat sich aber keiner gelöst. Zum Teil mag das auch daran hängen, dass viele Luxemburger Historiker oft schon zu Beginn ihrer Karriere ein Schulbuch für den Geschichtsunterricht verfassten, von Arthur Herchen bis Gilbert Trausch, von Paul Margue über Michel Margue bis Denis Scuto. Darüber hinaus war Gilbert Trausch auch öfters Festredner bei nationalen Anlässen, so dass in seinen Texten ein gewisses nationalpädagogisches Pathos immer wieder durchscheint. Eine zweckfreie wissenschaftliche Forschung blieb hingegen unterentwickelt. Der Beitrag der Historiker zur Konstruktion eines Nationalstaats und eines Nationalbewusstseins ist allerdings keine Luxemburger Exklusivität: Die Allianz zwischen Geschichtsschreibung und Nationalstaat ist ihrerseits ein transnationales Phänomen.[64]

Wenn sich die Historiker aber von einem essentialistischen Nationenbegriff lösen wollen, wenn sie sich von jedem teleologischen Geschichtsdenken befreien wollen, wenn sie von einer nationalpädagogischen Aufgabe loskommen und aus allen aufgezeigten Aporien herauskommen wollen,[65] dann könnte die Lösung darin liegen, den transnationalen Forschungsansatz aufzugreifen.

Fragen zum Konzept der Transnationalität in der Nationalgeschichte
Der Begriff einer transnationalen Gesellschaftsgeschichte[66] hat in den letzten Monaten und Jahren einen schnellen Aufschwung erlebt. Auch wenn hier seine historiographiegeschichtliche Verortung nicht nachgezeichnet werden kann, wird man ihn wohl zu Recht als Antwort der Historiker auf die Herausforderungen der Globalisierung verstehen dürfen,[67] so wie die Nationalgeschichte ihre Antwort auf die Entstehung der Nationalstaaten war. Völlig neu ist das Konzept nicht. Die Landesgeschichte hat sich vielerorts, u. a. in Trier, schon immer als vergleichend verstanden[68]. Der Trierer SFB 235 „Zwischen Rhein und Maas“ hatte seinen Untersuchungsraum bewusst geographisch definiert, um Beziehungen, Begegnungen und Konflikte über nationale und sprachliche Grenzen hinweg studieren zu können und dabei Methoden wie den grenzüberschreitenden Vergleich oder die Untersuchung von Kulturtransfers und Verflechtungen angewandt.

Die Definition, die Kiran Klaus Patel in seiner Berliner Antrittsvorlesung bietet,[69] kommt den Trierer Erfahrungen durchaus nahe: „Insgesamt wird ... eine Definition von ‚transnationaler Geschichte’ entfaltet, die diese nicht als Methode, sondern als Forschungsperspektive versteht. Transnationale Studien gehen demnach den unterschiedlichen Graden der Interaktion, Verbindung, Zirkulation, Überschneidung und Verflechtung nach, die über den Nationalstaat hinausreichen – und zugleich spielt die Nation auch für sie eine bedeutsame, sogar eine definierende Rolle. Transnationale Geschichte ist sektoral unbeschränkt, aber epochal auf die Späte Neuzeit begrenzt. (...) Transnationale Geschichte versteht den Raum als gleichberechtigte historische Zentralkategorie neben der Zeit. Auf der Ebene methodischer Verfahren setzt sie in besonderem Maße auf den Vergleich und die Transferanalyse. Außerdem versucht sie den Begriff des Transnationalen von allen normativen Konnotationen zu lösen.“

Nichtsdestoweniger ist wie bei allen Transfers auch in diesem Fall zu überprüfen, ob der Begriffstransfer aus der späten Frühneuzeit bzw. Zeitgeschichte in die vornationale Epoche vertretbar ist bzw. welchem Bedeutungswandel er dabei unterliegt oder unterzogen werden muss.

Drei zusammenhängende Probleme sollen hier thematisiert werden:
1. Da die Luxemburger Ethnogenese nicht vor der Mitte des 19. Jahrhunderts anzusetzen ist – wenn es denn je eine Luxemburger Ethnie gegeben hat oder gar noch gibt[70] –, muss gefragt werden, ob der Begriff der Transnationalität überhaupt für die Epochen davor verwendbar ist. Patel antwortet recht polemisch auf diese Frage[71]: „Epochal ist transnationale Geschichte auf die Späte Neuzeit, das heißt auf die Zeit seit dem 18. Jahrhundert, begrenzt, in der der moderne Nationalstaat strukturell und im Denken und Handeln der Akteure zu einem bedeutsamen Faktor wurde. Deswegen dürfte der analytische Mehrwert einer transnationalen Geschichte der griechischen Polis, der Tang-Dynastie oder Karolingerzeit gering sein – wer hier trotzdem von Transnationalität spricht, sitzt entweder einer anachronistischen Modeformel auf oder führt durch die Hintertür wieder ein eigentlich überwundenes, essentialisierendes Nationsverständnis ein.“ Auch für Matthias Middell „macht es wenig Sinn für die Zeit vor dem 17./18. Jahrhundert von Transnationalisierung zu sprechen“.[72] Das von der European Science Foundation betriebene Projekt Representations of the Past. The Writing of National Histories in Europe beschränkt ihre Arbeiten gleichermaßen auf das 19. und 20. Jahrhundert.[73] Einzelbeiträge und Themenhefte von Fachzeitschriften zur transnationalen Geschichte beschäftigen sich ebenfalls nur mit Beispielen aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Demgegenüber hat bislang nur Martin Krieger ein Plädoyer für eine Ausdehnung der transnationalen Perspektive auf die Frühe Neuzeit gehalten. Er argumentierte hauptsächlich mit der Relativität von Begriffen wie Nation, Staat, Territorium, Grenze, deren Bedeutung zeitbedingt unterschiedlich war und schon vor 1800 diskutiert wurde.[74] Alfred Haverkamp übernimmt seinerseits implizit wohl nicht den Begriff, aber die Sichtweise, wenn er in der Einleitung zum neuen Gebhardt schreibt[75]: „Versuche, deutsche Geschichte für das Mittelalter auf bestimmte Räume fest einzugrenzen, erweisen sich als Aporie. Sie bleiben einer nationalstaatlichen Sichtweise verhaftet, sind also anachronistisch.“

Wir brauchen in der Tat einen Begriff, um die Geschichte des Sozialraums zu schreiben, der dem Nationalstaat vorausgeht und über dessen später festgelegte Grenzen z. T. hinausreicht. Für Patricia Clavin[76] ist es der Transnationalitätsbegriff, der es der Geschichtswissenschaft ermöglicht „to break free from nationally determined timescales“.

2. Spätestens seit den Arbeiten von Benedict Anderson wird Nation als imagined community verstanden, d. h. als Gemeinschaft, die sich ihre Zusammengehörigkeit vorstellt, deren Zusammengehörigkeit also nicht als a priori gegeben vorausgesetzt wird.[77] „Vorgestellt ist (die Nation) deswegen, weil die Mitglieder selbst der kleinsten Nation die meisten anderen niemals kennen, ihnen begegnen oder auch nur von ihnen hören werden, aber im Kopf eines jeden die Vorstellung ihrer Gemeinschaft existiert.“ Diese Konzeption von Nation „als ‚kulturelles Produkt’, von Menschen gestaltet und mithin vergänglich“, beginnt unter Historikern zum Allgemeingut zu werden;[78] von Dieter Langewiesche wird sie gar als altbacken apostrophiert.[79] Alfred Haverkamp meint im schon zitierten neuen Gebhardt-Band nichts anderes wenn er schreibt[80]: „In diesen unterschiedlichen, jedoch miteinander verwobenen Wirkungsbereichen ist nicht die objektive Abstammung, sondern das Bewusstsein der Gemeinsamkeit, das wiederum nach den Trägergruppen zu differenzieren ist, der entscheidende Maßstab für den jeweiligen Stand der Ethnogenese. Dem widersprechen nicht Vorstellungen einer gemeinsamen Abstammung. Diese Imaginationen konnten zudem mit dem – wandelbaren und anpassungsfähigen – Bewusstsein gemeinsamer Geschichte angereichert und in dauerhafteren Zentren der kollektiven Erinnerung verfestigt werden.“

In dieses politisch-historische Konstrukt, das ständigem Wandel unterworfen ist, sind Erinnerungen, Traditionen, Fiktionen, Mythen eingeflossen, die z. T. aus der vornationalen Vergangenheit stammen; andererseits wurden auch Ereignisse und Entwicklungen aus dieser Zeit aus dem Konstrukt ausgeblendet. Das scheint mir ein zweiter Grund zu sein, warum die transnationale Forschungsperspektive die vornationale Phase nicht aus der Nationalgeschichte ausschließen darf. Tut man das nämlich nicht, gerät die Zeit vor dem Nationalstaat zum Vorgeplänkel der Nationalgeschichte, die zur Geschichte des Nationalstaats verkürzt wird. Wer die vornationale Phase ausblendet, sitzt einem teleologischen Geschichtsverständnis auf, wonach Nation und Nationalstaat Endpunkt und einziger Referenzrahmen der Geschichte sind. Historische Konstanten wie Wanderbewegungen von Menschen, Artefakten, Ideen, Gewohnheiten werden dann unterschlagen bzw. nicht als über die Zeit des Nationalstaats hinausreichend wahrgenommen.

Eine zeitliche Beschränkung des Transnationalitätsbegriffs scheint mir also nicht statthaft. Eine derartige Forderung ist m. E. auf ein Missverständnis zurückzuführen: Der Begriff ‚transnational’ wird der lateinischen Vorsilbe gemäß rein räumlich verstanden.[81]

Ich möchte daher vorschlagen, besser den Begriff ‚metanational’ zu gebrauchen. Die griechische Vorsilbe meta- kann nämlich sowohl räumlich verstanden werden als auch zeitlich – im Sinne von prä- oder gar postnational – und sie kann begrifflich verstanden werden, analog zum Begriff metahistorisch oder metaphysisch. Metanational würde also auch bedeuten, dass der Begriff der Nation eo ipso hinterfragt und transzendiert wird, nicht als ethnisch, essentialistisch, überzeitlich gültig verstanden wird.

3. Sogar wenn man transnational nur als geographische Erweiterung des nationalgeschichtlichen Ansatzes versteht,[82] stellt sich die Frage nach den (neuen) Grenzen der Perspektive.[83] Manches deutet darauf hin, dass es sie gar nicht gibt und man bei der World History oder der Globalgeschichte landet, die für etliche Historiker ein wahres Schreckgespenst ist, da sie die Möglichkeiten eines Forschers zu übersteigen droht bzw. der Bezug zu den Quellen verloren zu gehen scheint.[84]

Spricht man hingegen von metanationaler Forschungsperspektive, kann nicht mehr einfach nur eine geographische Erweiterung des Nationalstaats gemeint sein. Der Begriff betont, dass der untersuchte Sozialraum anders konstruiert ist als der Nationalstaat. Solange Historiker auf die Finanzierung durch Politiker angewiesen sein werden, die in nationalstaatlichen Kategorien denken, dürfte der Nationalstaat als Referenzrahmen nicht völlig verloren gehen. Das gilt vermehrt bei kleinen Nationalstaaten. Zu hoffen ist aber, dass die Problemstellung nicht mehr teleologisch begründet sein wird, sondern nationale Phänomene als Mikrohistorie untersucht werden, in denen sich die Globalgeschichte spiegelt: „Local history becomes global history or, as the new buzzword would have it, ‘glo-cal’ history.“[85]

Vorteile einer metanationalen Forschungsperspektive
Thesenartig seien die Vorteile einer metanationalen Forschungsperspektive für die Nationalgeschichtsschreibung zusammengefasst:
1. In einer solchen Perspektive hat die vornationale Geschichte ihren eigenen Wert, sie gerät nicht zur Vorgeschichte des Nationalstaats oder des Nationalbewusstseins.

2. Die metanationale Forschungsperspektive „versteht den Raum als gleichberechtigte historische Zentralkategorie neben der Zeit“ (Patel).

3. Die metanationale Perspektive erfordert die Berücksichtigung aller Einflüsse auf die Geschichte des Sozialraums der einmal zur Nation wurde/wird: Dazu zählen einerseits die staatlichen Beziehungen, die traditionellerweise von der Diplomatiegeschichte aufgearbeitet wurden. Zu den staatlichen Beziehungen gehören auch nicht nur jene mit den Anrainerstaaten, sondern auch mit entfernteren Ländern, z. B. den Herkunftsländern von Migranten. Auch der Einfluss supranationaler Institutionen wie des römisch-deutschen Reiches, des Zollvereins, der römisch-katholischen Kirche, und supranationaler Werte und Vorstellungen wie jener der Aufklärung, der Studentenunruhen von `68 usw. sind zu berücksichtigen. Menschliche Beziehungen können manchmal institutionelle Anleihen oder Transfers erklären: Dass Luxemburg relativ früh die deutsche Sozialgesetzgebung einführte, lag nicht nur am Druck, der im Rahmen des Zollvereins auf die Regierung ausgeübt wurde, sondern auch an den Erfahrungen, die Staatsminister Paul Eyschen als Botschafter in Berlin zu Bismarcks Zeiten gesammelt hatte. Robert O. Keohane und Joseph S. Nye definierten transnationale Beziehungen gar als Beziehungen, in denen zumindest ein Partner ein nicht-staatlicher Akteur sei.[86]

4. Die metanationale Forschungsperspektive verlangt vernetztes Denken: neben politischen Beziehungen sind soziale, wirtschaftliche, kulturelle, ökologische Verflechtungen zu berücksichtigen, um die Geschichte des Sozialraums global zu erfassen.

5. Die metanationale Forschungsperspektive leugnet nicht die Existenz von Nationen,[87] deren Wirkmächtigkeit unbestritten ist, auch wenn die Nation als imagined community verstanden wird. „Transnationalisierung problematisiert Prozesse jenseits nationaler Eingrenzung,“ schreibt Isabella Löhr,[88] „ohne dabei jedoch nationale Territorien oder Nation als Referenzrahmen zu negieren oder aufzugeben. Vielmehr geht es darum, Nation und Nationalstaat analytisch einzubetten in alternative räumliche Ordnungsschemata, die sich nicht entlang nationaler Grenzen, sondern entlang der Verbreitung sozialer und kultureller Praktiken, der Diffusion von Wissen, von Migrationsströmen, Handelswegen oder dem Einflussbereich international agierender Organisationen entfalten, die dabei aber in einem expliziten Bezug auf Nation bestehen bleiben.“ Die Nation ist ein Sozialraum unter anderen möglichen (wie die Sozialgruppe, die Religionsgemeinschaft, die Arbeiterschaft, ...), aber sie ist nicht der einzige Referenzrahmen. Ein solches Verständnis der Nation ermöglicht einen unbefangeneren Umgang mit ihrer Geschichte. Und mit ihrer Zukunft.

6. Die metanationale Forschungsperspektive versteht Geschichte als gemacht, nicht als natur- oder gottgegeben, also auch als veränderbar und endlich. Die Nation im Sinne Andersons ist nichts Ewiges, wie schon Ernest Renan festhielt[89]: „Erst wenn die vielen Spuren früher Transnationalität gebührend beachtet werden – und es sind mit Gewissheit mehr, als es die bisherige, auf den Nationalstaat fixierte Forschung glauben machen wollte –, wird es möglich sein, den kulturell homogenen Nationalstaat selbst als historisches Konstrukt zu sehen, als Konstrukt, das seine Zeit hatte,“ schreibt Albert Wirtz.[90]

Damit wird das Diktum von Bundespräsident Johannes Rau anlässlich der Eröffnung des 44. Deutschen Historikertages 2002 in Halle nicht falsch[91]: „Es gibt keine Identität ohne Geschichte und es gibt keine Geschichte ohne Identität.“ Identitätsbildung durch Aneignung der Geschichte ist auch weiterhin möglich (aber nicht intendiert), nur muss man die Identität als fließend verstehen. Identität schließt Diversität ein. Dann kann Geschichte zur Identität sowohl der Einheimischen wie der sog. Ausländer beitragen. Letztere werden sich nicht mehr als Exoten oder als Neuerscheinung des Industriezeitalters verstehen, sondern als Teil der Geschichte und zwar im Herkunfts- wie im Aufnahmeland.

7. Der metanationale Zugriff betont im Gegensatz zum einseitigen Kulturtransfer die Wechselwirkungen: nach einem Kulturtransfer sind beide Kulturträger nicht mehr dieselben.[92] So kann Osterhammel zu Recht behaupten, die europäische Expansion sei keine Nebensächlichkeit gewesen, sondern stelle „geradezu die global wirksame, einzigartige Existenzform Europas“ dar,[93] durch die Europa selbst anders bzw. das heute so bezeichnete Konstrukt erst geworden ist. Für die Migrationsgeschichte bedeutet das z. B., dass nicht mehr von Immigration gesprochen wird, da der Begriff den Nationalstaat als Referenzrahmen voraussetzt und in der Regel nur die Geschichte des Aufnahmelandes betrachtet, sondern von Migrationen, die den Menschen als Referenzrahmen voraussetzen und daher sowohl die Beziehungen zwischen Diaspora und Heimat als auch die Veränderungen in Aufnahme- und Herkunftsland thematisieren. Der Ansatz hat zur Folge, um ein zweites Beispiel zu nennen, dass man von einem gallo-römischen Akkulturationsprozess reden wird und nicht von einer Romanisierung, die einen einseitigen Prozess suggeriert.

8. Die metanationale Forschungsperspektive trägt dazu bei, den Konstruktionsprozess einer Nation zu erklären, nicht die Nation (oder auch Europa) aufzubauen oder zu rechtfertigen.[94] Dabei werden ‚blinde Flecken’ in diesem Prozess nicht ausgespart, da die Forschungsperspektive sich der Selektivität der Erinnerung bewusst ist, auf die schon Ernest Renan hingewiesen hat.[95] In der Luxemburger Nationalgeschichte werden z. B. Tabuthemen wie die Kollaboration zur Zeit der nationalsozialistischen Besetzung aufgearbeitet werden müssen, auch wenn dadurch die These von Gilbert Trausch in Frage gestellt wird, der kollektive Widerstand des Luxemburger Volkes gegen die Nazi-Besatzer während des Zweiten Weltkriegs habe das Luxemburger nation building zum Abschluss gebracht.[96] Aber auch ausgeblendete Entwicklungen wie auswärtige Einflüsse und Transfers, Wanderbewegungen von Menschen, Ideen, Praktiken müssen wieder bewusst gemacht werden. Eine kritische Geschichtswissenschaft kann die Rolle einer Art kollektiven Psychotherapie spielen[97]: Der Historiker hilft – analog zum Psychotherapeuten auf individueller Ebene – verdrängte Vergangenheit ans Bewusstsein zu heben, um zu verhindern, dass die Vergangenheit in pathologischer Form (z. B. als Nationalismus) wiederkehrt.

Die metanationale Forschungsperspektive ist Geschichtsschreibung ohne nationalpädagogisches Pathos, ist keine Legitimationswissenschaft. Sie ermöglicht keine nationalistische Vereinnahmung metanationaler Phänomene.

Schluss
Die Igeler Säule ist einer der letzten Belege (vor den fränkischen Eroberungszügen) für den Transfer römischer Bestattungssitten und für den Aufstieg einer lokalen Händlerfamilie zu Wohlstand und Großgrundbesitz und erlaubt damit Rückschlüsse auf die gallo-römische Gesellschaftsgeschichte des 3. Jahrhunderts im Trierer Hinterland bis ins heutige Großherzogtum hinein. Dank der eher seltenen Darstellung von Jenseitserwartungen ist das Sepulkraldenkmal auch eine weit über das Treverergebiet hinaus bedeutende Quelle für die Weiterentwicklung der religiösen Vorstellungen der Römer in der Spätantike.[98] 1598 veröffentlichten Braun und Hogenberg im 5. Band ihrer Civitates orbis terrarum einen Kupferstich mit der ältesten Ansicht der Stadt Luxemburg sowie des nahe gelegenen Mansfeld-Schlosses und der Igeler Säule.[99] Nichtsdestoweniger wird das berühmte Grabmal weder von Historikern noch von Politikern für die Luxemburger Geschichte beansprucht; in Luxemburger Schulbüchern taucht die Igeler Säule nicht auf; sie ist kein Luxemburger ‚lieu de mémoire’: Das ehemals luxemburgische Igel liegt heute auf deutschem Staatsgebiet.

Die Muschelkette aus Waldbillig gehört zufällig der Luxemburger Nationalgeschichte an, weil sie auf dem Territorium des heutigen Großherzogtums gefunden wurde. Sie gehört aber auch der Rössenkultur an, deren Verbreitungsgebiet weit über das Großherzogtum hinausreicht; durch diesen Fund (u. a.) kann das Großherzogtum aber nunmehr zu diesem Verbreitungsgebiet gerechnet werden. Als Zeugnis der Rössenkultur ist sie ein Zeugnis für vorgeschichtliche Wanderbewegungen und Handelsbeziehungen. Die Muschelkette ist darüber hinaus aber auch ein Teil der Menschheitsgeschichte: sie ist ein frühes Indiz für das Erwachen eines ästhetischen Bewusstseins.

In metanationaler Perspektive gibt es hingegen keinen Unterschied zwischen der Waldbilliger Muschelkette aus der Jungsteinzeit und der Igeler Säule aus der späten gallo-römischen Epoche.

Die Luxemburger Nationalgeschichte steht erst am Anfang eines notwendigen Paradigmenwechsels. An ihrem wegen der Kleinheit des betroffenen Raums leichter überschaubaren Beispiel[100] könnte der Versuch gestartet werden, die metanationale Forschungsperspektive monographisch auf die Geschichte einer Nation und der Vorzeiten des von ihr okkupierten Sozialraums anzuwenden. Denn bisher wurde das Konzept vorrangig in Zeitschriftenaufsätzen und Sammelbandbeiträgen ausprobiert. Die Feuerprobe einer Monographie hat es noch vor sich.

Anmerkungen:
* Der vorliegende Beitrag beruht auf der öffentlichen Vorlesung, die ich unter dem Titel „Wie kam die Muschelkette nach Waldbillig? Nationalgeschichte in trans- oder metanationaler Perspektive“ zum Abschluss meines Habilitationsverfahrens am 30. November 2005 an der Universität Trier gehalten habe. Er wurde ein zweites Mal am 16. Februar 2006 auf Einladung von Prof. Dr. Jean-Luc Fray an der Universität Blaise Pascal in Clermont-Ferrand gehalten. Den Teilnehmern an beiden Veranstaltungen sei herzlich gedankt für die wertvollen Hinweise und Anstöße, die in die Schriftfassung eingebracht werden konnten. Diese berücksichtigt ebenfalls nachträglich erschienene Internetbeiträge zu einem Thema, das sich zur Zeit sehr schnell weiterentwickelt. Eine vorläufige, bebilderte, französische Fassung erschien in der Zeitschrift für Luxemburger Geschichte Hémecht 58 (2006), S. 9-33 unter dem Titel „Questions autour d’une parure en coquillages trouvée à Waldbillig. Plaidoyer pour une perspective trans- ou meta-nationale de l’histoire luxembourgeoise".
[1] Gob, André u. a., Nouvelles recherches à l’abri du Loschbour près de Reuland, in: Bulletin de la Société préhistorique luxembourgeoise [künftig BSPL] 6(1984), S. 87-99; vgl. Luxembourg de la préhistoire au moyen âge. Dossiers d’Archéologie, hors-série 5(1995), S. 23.
[2] Dank einer C14-Messung mit Elektronenbeschleuniger eines Schädelfragments konnte eine neue radiometrische Datierung vorgenommen werden, die ein Alter von 7205 ± 50 BP ergab, das nur unwesentlich von der bisherigen Datierung abwich, die eine klassische C14-Messung des Auerochsknochens, der neben dem Brustkorb lag, erbracht hatte und auf 7115 ± 45 BP lautete. Vgl. Le Brun-Ricalens, Foni u.a., Préhistoire, in: Préhistoire et Protohistoire au Luxembourg (Les collections du Musée national d’histoire et d’art, 1), Luxembourg 2005, hier S. 82.
[3] Margue, Michel; Pauly, Michel, Saint-Michel et le premier siècle de la ville de Luxembourg. Quelques réflexions sur l'apport de l'histoire religieuse à l'étude des origines de la ville, in: Hémecht 39(1987), S. 5-83.
[4] Sigismund von Luxemburg. Ein Kaiser in Europa. Tagungsband des internationalen historischen und kunsthistorischen Kongresses in Luxemburg, 8.-10. Juni 2005, hrsg. v. Michel Pauly und François Reinert, Mainz 2006.
[5] Herchen, Arthur, Manuel d’Histoire nationale, Luxembourg 19374, S. 94 (Übersetzung m.p.).
[6] Schulze, Hagen, Gibt es überhaupt eine deutsche Geschichte?, Berlin 1989; überarbeitete Neuauflage Stuttgart 1998.
[7] Siehe u. a. http://geschichte-transnational.clio-online.net/forum/type=artikel; http://www.h-net.org/~german/discuss/Trans/forum_trans_index.htm.
[8] Kaelble, Hartmut, Die Debatte über Vergleich und Transfer und was jetzt?, in: geschichte.transnational, 08.02.2005, unter: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/2005-02-002 .
[9] Ebd.
[10] Le Brun-Ricalens, Foni, La grotte diaclase de Waldbillig-"Karelslé", in: Luxembourg de la préhistoire au moyen âge (Anm. 1), S. 30f.; Le Brun-Ricalens u.a., Préhistoire (Anm. 2), hier: La grotte diaclase "Karelslé" à Waldbillig, S. 108-113.
[11] Le Brun-Ricalens, Foni, Le Néolithique du Grand-Duché de Luxembourg. Essai de synthèse, in: BSPL 16 (1994), erschienen 1995, S. 99-124, hier S. 108-112; ders., De la chasse… à l’agriculture néolithique, in: Luxembourg de la préhistoire au moyen âge Dossiers d’Archéologie, hors-série 5(1995), S. 24-33, hier S. 29; ders., Le Néolithique moyen luxembourgeois. Regards croisés entre Bassins rhénan et parisien. Das luxemburgische Mittelneolithikum. Ausblicke zwischen dem Rheinland und dem Pariser Becken, in: Internéo. Pré-actes du XXVIème Colloque interrégional sur le Néolithique, MNHA (8-9 novembre 2003), Luxembourg 2003, S. 35-39 mit neuer Karte der europäischen Verbreitung der Rössenkultur.
[12] Siehe z. B. die Karte in: Keefer, Erwin, Steinzeit (= Sammlungen des Württembergischen Landesmuseums, 1), Stuttgart 1993, S. 111.
[13] Le Brun-Ricalens u.a., La culture rubanée, in: Préhistoire et Protohistoire (Anm. 2), S. 94-100. Siehe auch Hauzeur, Anne, Contribution à l’étude du Rubané du Nord-Ouest. Sites du Grand-Duché de Luxembourg en bassin mosellan [thèse de doctorat européen soutenue aux universités de Liège et de Strasbourg], 2003 (unveröffentlicht).
[14] Le Brun-Ricalens, (Anm. 11), S. 30.
[15] Zum Folgenden siehe Le Brun-Ricalens, Foni, Le Paléolithique ancien du Grand-Duché de Luxembourg. Essai de synthèse, in: BSPL 16 (1994), erschienen 1995, S. 17-31; ders., Les chasseurs paléolithiques du Bassin mosellan, in: Luxembourg de la préhistoire au moyen âge. Dossiers d’Archéologie, hors-série 5(1995), S. 8-15; ders. u.a., Le Paléolithique, in: Préhistoire et Protohistoire (Anm. 2), S. 39-68; ders., Le Paléolithique au Luxembourg, in: ders. u.a., Eiszeiten – Glaciations. Catalogue d’exposition du Musée National d’Histoire Naturelle, Luxembourg 2005, S. 46-49.
[16] Le Brun-Ricalens,(Anm. 11), S. 109, 112.
[17] Metzler, Jeannot u.a., Clemency et les tombes de l'aristocratie en Gaule Belgique (= Dossiers d'archéologie du Musée national d'histoire et d'art I), Luxembourg 1991; Metzler, Jeannot; Gaeng, Catherine, Protohistoire, in: Préhistoire et Protohistoire (= Les collections du Musée national d’histoire et d’art, 1), Luxembourg 2005, hier: La sépulture aristocratique de Clemency, S. 152-157.
[18] Metzler, Jeannot, Treverische Reitergräber von Goeblingen-Nospelt, in: Trier. Augustusstadt der Treverer. Stadt und Land in vor- und frührömischer Zeit, Mainz 1984, S. 87-99; ders., Das treverische Oppidum auf dem Titelberg (G.-H. Luxemburg). Zur Kontinuität zwischen der spätkeltischen und der frührömischen Zeit in Nord-Gallien (= Dossiers d'archéologie du Musée national d'histoire et d'art III), 2 Bde., Luxemburg 1995, S. 542-563; Metzler, Nicole, u.a., Les sépultures du deuxième âge du Fer, in: Luxembourg de la préhistoire au moyen âge. Dossiers d’Archéologie, hors-série 5(1995), S. 48-54; Metzler; Gaeng, (Anm. 17), hier: Les sépultures des quatre chevaliers de Goeblange-Nospelt, S. 158-164; La chambre funéraire de la dame de Goeblange-Nospelt, S. 165-167.
[19] Krier, Jean; Reinert, François, Das Reitergrab von Hellingen. Die Treverer und das römische Militär in der frühen Kaiserzeit, Luxemburg 1993.
[20] Vorläufiger Grabungsbericht: Krier, Jean, Grandes découvertes à Bertrange-„Bourmicht“, in: musée-info 13(2000), S. 6-9.
[21] Das Grabmal in Mersch datiert von Anfang des 2. Jahrhunderts: Krier, Jean; Schwinden, Lothar, Die Merscher Inschrift CIL XIII 4030, in: Trierer Zeitschrift 37(1974), S. 123-147.
[22] Cueppers, Heinz, Arbeiten und Beobachtungen an der Igeler Säule, in: Trierer Zeitschrift 31(1968), S. 222-226; Heinen, Heinz, Trier und das Trevererland in römischer Zeit (2000 Jahre Trier, Bd. 1), Trier 1985, S. 89, 149-152, 198-200; Luik, Martin, Das Grabmal von Igel (die „Igeler Säule“). Grabmäler als Zeugnisse römischer Kultur, in: Reichert, Winfried; Minn, Gisela; Voltmer, Rita (Hgg.), Quellen zur Geschichte des Rhein-Maas-Raumes. Ein Lehr- und Lernbuch, Trier 2006, S. 9-20.
[23] Middell, Matthias, Kulturtransfer und Historische Komparatistik – Thesen zu ihrem Verhältnis, in: Comparativ 10(2004)1, S. 7-41, hier S. 20f.; ders., Von der Wechselseitigkeit der Kulturen im Austausch. Das Konzept des Kulturtransfers in verschiedenen Forschungskontexten, in: Langer, Andrea; Michels, Georg (Hgg), Metropolen und Kulturtransfer im 15./16. Jahrhundert. Prag – Krakau – Danzig – Wien, (= Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa, 12), Stuttgart 2001, S. 15-51, hier S. 18.
[24] Krier, Jean, Neue Zeugnisse der Götterverehrung aus dem römischen Vicus Dalheim, in: Hémecht 44(1992), S. 55-82.
[25] Metzler, Jeannot u.a., Ausgrabungen in Echternach, 2 Bde., Luxemburg 1981.
[26] Siehe z. B. Metzler, Jeannot; Zimmer, Johny, Archäologischer Rundgang durch Luxemburg, in: Hémecht 27(1975), S. 307-330, hier S. 311ff. (Goeblingen), 314f. (Rippweiler).
[27] Scuto, Denis, Des Barbares, ces Gaulois? Ou: Quand l’enseignement de l’histoire permet de changer fondamentalement d’optique …, in: Humanités et humanisme dans la cité des Trévires. Actes du colloque international 10 et 11 octobre 2003, Athénée de Luxembourg , hrsg. von der Union latine, Paris 2004, S. 15-32.
[28] Botermann, Helga, Wie aus Galliern Römer wurden, Stuttgart 2005, behandelt die Provence.
[29] Krier, Jean, Echternach und das Kloster des heiligen Willibrord, in: Die Franken, Wegbereiter Europas. Vor 1500 Jahren: König Chlodwig und seine Erben, Mainz 1996, Bd. 1, S. 466-478, hier S. 473f.
[30] Netzer, Nancy, Cultural interplay in the eigth century. The Trier Gospels and the making of a scriptorium at Echternach (= Cambridge Studies in Paleography and Codicology 3), Cambridge 1994; vgl. Abb. 8/ 9 in Schroeder, Jean; Trauffler, Henri, Die Anfänge der Abtei Echternach. Von der Villa Epternacus zum frühmittelalterlichen Wallfahrtszentrum, Luxembourg 1996, S. 44-45.
[31] La Maison d'Ardenne. Xe-XIe siècles. Actes des Journées Lotharingiennes, 24-26 octobre 1980, Centre Universitaire Luxembourg (= Publications de la Section historique de l’Institut grand-ducal 95), Luxembourg 1981, S. 320f.
[32] Privilegienbrief der Wollweber (25.3.1343), ediert von Rudolf Holbach und Michel Pauly, Das "Lutzelburger Duch". Zur Geschichte von Wollgewerbe und Tuchhandel der Stadt Luxemburg und des umgebenden Raumes vom Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit, in: Schueberfouer 1340-1990. Untersuchungen zu Markt, Gewerbe und Stadt in Mittelalter und Neuzeit, hrg. v. Michel Pauly, Luxemburg 1990, S. 71-111, hier S. 106-108.
[33] Pauly, Michel, Von der Kloster- zur Stadtschule. Das Schulwesen in der mittelalterlichen Stadt Luxemburg, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 20(1994), S. 93-114, hier S. 107.
[34] Siehe den Beitrag von Loutsch, Claude über "Les historiens luxembourgeois du XVIe siècle", im Tagungsband der Premières Assises de l'historiographie luxembourgeoise organisées à l'occasion du quatrième centenaire de la parution de l'Historia luxemburgensis de Jean Bertels par le Département d'Histoire de l'Université du Luxembourg, 9 – 10 décembre 2005.
[35] Waringo, Raymond; Ivanova, Anna, Oeslinger Grabkreuze aus Schiefer – ein Beispiel ländlich-sakraler Kunst, in: De Cliärrwer Kanton, Sonderheft 1988, S. 33-67.
[36] Schmitt, Michel, Die Bautätigkeit der Abtei Echternach im 18. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Geschichte des luxemburgischen Bauwesens im Barockzeitalter, Luxemburg 1970.
[37] Siehe u. a. Langewiesche, Dieter, Was heißt ‚Erfindung der Nation’? Nationalgeschichte als Artefakt – oder Geschichtsdeutung als Machtkampf?, in: Historische Zeitschrift 277(2003), S. 593-617, hier S. 599.
[38] Hacker, Peter, Die Anfänge eines eigenen Nationalbewusstseins? Eine politische Geschichte Luxemburgs von 1815 bis 1865, Trier 2005.
[39] Werner, Michael; Zimmermann, Bénédicte, Vergleich, Transfer, Verflechtung. Der Ansatz der Histoire croisée und die Herausforderung des Transnationalen, in: Geschichte und Gesellschaft 28(2002)4, S. 607-636.
[40] Wagener, Renée, „… wie eine frühreife Frucht“. Zur Geschichte des Frauenwahlrechts in Luxemburg, Luxemburg 1994.
[41]Außer einem Dossier der Zeitschrift forum (Nr. 103/Mai 1988) und einer unveröffentlichten Qualifikationsarbeit von Wolter, Françoise, Le mouvement de mai 68. Le Grand-Duché entre modèles étrangers et réalités luxembourgeoises (1996), existiert keine historiographische Aufarbeitung dieser Ereignisse.
[42] Vgl. Between the ‘Prague Spring’ and the ‘French May’. Transnational Exchange and national Recontextualization of Protest Cultures in 1960/70s Europe. 3rd Conference of the Interdisciplinary Research Forum Protest Movements, Heidelberg 25.8.-27.8.2006 (http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=5355), bei der die ‘kleinen’ europäischen Staaten allerdings nicht berücksichtigt werden.
[43] Trausch, Gilbert, Comment faire d’un État de convention une nation? in: Histoire du Luxembourg. Le destin européen d’un "petit pays", sous la direction de Gilbert Trausch, Toulouse 2002, S. 201-274, hier S. 225.
[44] Clavin, Patricia, Defining Transnationalism, in: Contemporary European History 14(2005)4, S. 421-439, hier S. 432; Jarausch, Konrad H., Reflections on Transnational History, unter: http://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=h-german&month=0601&week=c&msg=LPkNHirCm1xgSZQKHOGRXQ&user=&pw=HOGRXQ&user=&pw=
[45] Lehners, Jean-Paul, The industrialized transborder region „Saarland-Lorraine-Luxembourg“. A common past, a common future?, in: Leboutte, René; Lehners, Jean-Paul (Hgg), Passé et Avenir des Bassins Industriels en Europe, Luxemburg 1995, S. 101-120; Herrmann, Hans-Walter u.a (Hgg), Forschungsaufgabe Industriekultur. Die Saarregion im Vergleich (= Veröffentlichungen der Kommission für Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung, 37), Saarbrücken 2004.
[46] Trausch, Gilbert, Le Luxembourg - Émergence d'un État et d'une Nation, Anvers 1989, S. 273: "Parmi les facteurs ayant favorisé l’essor économique du Luxembourg une part essentielle revient à l’action de l’Etat luxembourgeois. Ici joue la souveraineté dont jouit le grand-duché (…). L’Etat est (très) petit et sa souveraineté lui donne des droits, notamment sur le plan intérieur, que le droit international ne permet pas à ses voisins de lui contester."
[47] Mousset, Jean-Luc, L’industrialisation du Luxembourg de 1800 à 1945. Guide du visiteur, Luxembourg 1988, S. 70ff. (Übersetzung m.p.).
[48] Muller, Jean-Claude, "Judd mat Gaardebounen", le plat national luxembourgeois – un mets assaisonné d’antisémitisme ? in: Bulletin de l’Institut archéologique du Luxembourg 81(2005), S. 138f.
[49] Nosbusch, Tun, Kachen a Brachen. Aus der Luxemburger Küche, Luxembourg 1983, S. 101-104.
[50] Vgl. allgemein zur Immigration nach Luxemburg: Pauly, Michel, L'immigration dans la longue durée. Esquisse introductive, in: Lëtzebuerg de Lëtzebuerger? Le Luxembourg face à l'immigration, sous la coordination de Michel Pauly, Luxembourg 1985, S. 7-21; Cordeiro, Albano, L’immigration au Luxembourg dans le dernier quart de siècle, in: Un siècle d’immigration au Luxembourg. Actes du colloque organisé par le CLAE, sous la direction de Fabrice Montebello (= Passerelles Nr. 22), Luxembourg 2001, S. 93-100 (die zeitliche Beschränkung im Aufsatztitel ist irreführend). Die rezenteste Analyse der Bevölkerungsstatistik bietet Langers, Jean, Aspects socio-démographiques de la croissance économique au Luxembourg (= Bulletin du Statec 1(2003)).
[51] Vgl. Pauly, Michel, Proto-industrialisation et immigration au Luxembourg, in: L’immigration au Luxembourg, et après ? Actes du colloque organisé le 18 juin 2004 par l’IEEIL et le STATEC, hrsg. v. Serge Allegrezza u.a., Luxembourg 2006; vgl. Sieglerschmidt, Jörn, Migration in der Geschichte: Versagen des Staates – Zauber des Wohlstands ? in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 91(2004), S. 194-201, hier S. 198: „Ins Reich der Mythologie muss die angebliche Sesshaftigkeit der vormodernen Menschen verwiesen werden und ist vermutlich unserer Eigenwahrnehmung als Zeitgenossen einer auf Beschleunigung und Wachstum ausgerichteten Epoche zuzuschreiben. Die neueren Befunde sprechen eine andere Sprache. Es muss sogar bezweifelt werden, ob der Umfang der Wanderungstätigkeit tatsächlich größer geworden ist, wenn die Zahl der Wandernden auf die Gesamtbevölkerung bezogen wird.“; und Schubert, Ernst, Fahrendes Volk im Mittelalter, Bielefeld 1995, S. 29/36, nennt die Mobilität eine „gesellschaftliche Grunderfahrung“ und bezeichnet sie als „konstituierenden Faktor mittelalterlicher Gesellschaft“, während er von einer „bedingten Sesshaftigkeit“ derselben Gesellschaft spricht. Bedeutung und Umfang der mittelalterlichen Migrationen werden bestätigt von der großen Anzahl an Hospitälern und ähnlichen Empfangsinfrastrukturen, die ich in meiner Habilitationsschrift ausmachen konnte: Pauly, Michel, Hospitäler zwischen Maas und Rhein im Mittelalter. Typologische, topographische, funktionale und spirituelle Aspekte. Habilitationsschrift, Luxemburg/Trier 2004 (Beiheft der Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte).
[52] Siehe u. a. Pries, Ludger (Hg.), Transnationale Migration (Soziale Welt, Sonderband12), Baden-Baden 1997; Transnationalismus und Migration. Transnationalisme et migration, numéro à thème de la revue d’histoire suisse Traverse 2005/1, avec bibliographie; Luethi, Barbara, Transnationale Migration – eine vielversprechende Perspektive?, in geschichte.transnational, 13.04.2005, unter : http://hsozkult.geschichte.hu-berlin/forum/2005-04-003.
[53] Guillaume, François [alias Frank Wilhelm], Du Tour de Frantz au Tour de Gaul en passant par le Géant de Colombes. Les cyclistes luxembourgeois dans la Grande Boucle et dans la littérature francophone (= Reihe APESS 13), Luxembourg 2003, S. 16, 25ff. – Wie sportliche Ereignisse auch diplomatiegeschichtliche Folgen haben können, zeigt Trausch, Gilbert, La course cycliste Nancy-Luxembourg en 1913 et les relations du Luxembourg avec la France et l’Allemagne. Le fait divers en histoire, in: Dostert, Paul u.a (Hgg), Le Luxembourg en Lotharingie. Mélanges Paul Margue, Luxemburg 1993, S. 697-721.
[54] Patel, Kiran Klaus, Überlegungen zu einer transnationalen Geschichte, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 52 (2004), S. 426-645, hier S. 645; vgl. zusammenfassend ders., Transnationale Geschichte – ein neues Paradigma?, in: geschichte.transnational, 02.02.2005, unter: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin/forum/2005-02-001.
[55] Margue, Paul, La Perspective du grand large et ses aléas, in: De l’état à la Nation 1839-1939.150 Joer onofhängeg. Catalogue de l’exposition organisée à l’occasion du 150e anniversaire de l’Indépendance du Grand-Duché de Luxembourg 19 avril – 20 août 1989, Luxemburg 1989, S. 45.
[56] Siehe http://www.cu.lu/histoire/cludem.htm
[57] Trausch, Gilbert, Comment les Luxembourgeois sont devenus une nation, in: forum 58(25.9.1982), S. 17-19, hier S. 18 (Übersetzung m.p.).
[58] Trausch, Gilbert, De l’état à la Nation. Allocution prononcée le 18 avril 1989 à l’occasion de la commémoration du 150e anniversaire de l’indépendance du Grand-Duché de Luxembourg (Réalités et Perspectives 1989/3), Luxembourg 1989, S. 15 (Übersetzung m.p.).
[59] Trausch (Anm. 58), S. 3.
[60] Siehe u. a. Stauber, Reinhard, Nationalismus vor dem Nationalismus ? Eine Bestandsaufnahme der Forschung zu ‚Nation’ und Nationalismus’ in der Frühen Neuzeit, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 47(1996), S. 139-165, hier S. 142.
[61] Trausch (Anm. 43) S. 237 (Übersetzung m.p.).
[62] Siehe seine Einleitung zu Trausch, Gilbert, Du particularisme à la Nation. Essais sur l’histoire du Luxembourg de la fin de l’Ancien Régime à la Seconde Guerre mondiale, Luxembourg 1989, S. 6ff.
[63] Siehe Anm. 46.
[64] Vgl. Geary, Patrick J., Europäische Völker im frühen Mittelalter. Zur Legende vom Werden der Nationen, Frankfurt am Main 2002 (Kap. 1: Ethnizität und Nationalismus im 19. Jahrhundert); Raphael, Lutz, Geschichtswissenschaft im Zeitalter der Extreme. Theorien, Methoden, Tendenzen von 1900 bis zur Gegenwart, München 2003 (Kap. III: Geschichte zwischen Wissenschaft, politischer Ideologie und nationaler Erinnerungskultur); Middell, Matthias, Transnationale Geschichte als transnationales Projekt? Zur Einführung in die Diskussion (insbesondere § 1 und 4), in: geschichte.transnational, 12.01.2005, unter: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin/forum/2005-01-001. Für Sachsenmaier, Dominic, Global History, Global Debates, in: geschichte.transnational, 03.03.2005, unter: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin/forum/2005-03-001, gilt die Feststellung auch für nicht-westliche Gesellschaften.
[65] Diese Probleme stellen sich keineswegs nur für die Luxemburger Geschichtsschreibung. Auch in der europäischen Geschichtsschreibung besteht die Gefahr einer politischen Instrumentalisierung der historischen Forschung zum Zweck des Aufbaus einer europäischen Identität (vgl. Verleihung eines ‚Karlspreises’ in Erinnerung an den ‚Vater Europas’; Ausstellung unter dem Titel: „Die Franken – Wegbereiter Europas“, u.a.m.). Der diesbezügliche Druck auf die Historiker wird noch wachsen, seit es offenbar ist, dass die Politiker bei dieser Zielsetzung gescheitert sind, wie Referenden in Frankreich und den Niederlanden oder Umfragen in anderen Ländern der EU gewiesen haben. Bei der Tagung „Nation – Europa – Welt. Identitätsentwürfe vom Mittelalter bis 1800“ (Kassel, 15.-17.9.2005) setzte sich vor allem der Beitrag von Olaf Asbach, Konstruktionen einer politischen Identität Europas, kritisch mit diesen Erwartungen auseinander; vgl. http://hsozkult.geschichte.hu-berlin/tagungsberichte/id=949.
[66] Der Begriff wird hier von Osterhammel, Jürgen, Transnationale Gesellschaftsgeschichte: Erweiterung oder Alternative, in: Geschichte und Gesellschaft 27(2001), S. 464-479, übernommen.
[67] Lüthi, Barbara u.a., Transnationalismus – eine Herausforderung für nationalstaatliche Perspektiven in den Kulturwissenschaften?, in: Traverse 2005/1, S. 7-12, hier S. 7; Middell, Matthias, Transnationalisierung und Globalgeschichte, in: ebd., S. 19-47; Saunier, Pierre-Yves, Circulations, connexions et espaces transnationaux, in: Genèses 57 (2004), S. 110-126, hier S. 123ff. Für die Geschichte des Begriffs siehe auch Patel (Anm. 54), S. 628-630 und Clavin, Defining Transnationalism (Anm. 44), S. 433ff.; Jarausch (Anm. 44).
[68] Irsigler, Franz, Vergleichende Landesgeschichte, in: Hauptmeyer, Carl-Hans (Hg), Landesgeschichte heute, (= Kleine Vandenhoeck-Reihe, 1522), Göttingen 1987, S. 35-54; Goetz, Hans-Werner, Moderne Mediävistik. Stand und Perspektiven der Mittelalterforschung, Darmstadt 1999, S. 133. Der Vergleich ist zwar nicht zwingend transnational, doch auch Middell (Anm. 23), S. 10, nennt das Vergleichen „eine Allerweltsoperation für die Historiker“.
[69] Patel (Anm. 54), S. 628. Clavin (Anm. 44), S. 436: “transnationalism … offers more a new ‘research perspective’ than a revolutionary methodology”; im selben Sinn Saunier (Anm. 67), S. 110: "On considérera plutôt le ‘transnational’ comme une manière de faire de l’histoire, un point de vue, un questionnement exercé sur des terrains et des sources"; Jarausch (Anm. 44).
[70] Pauly, Michel, Les Luxembourgeois ont-ils jamais existé? Le Luxembourg – terre d’immigration dans la très longue durée, in: Un siècle d’immigration au Luxembourg (Anm. 50), S. 81-92.
[71] Patel (Anm. 54), S. 634f.
[72] Middell (Anm. 67), S. 42.
[73] Conrad, Christoph, National historiography as a transnational object, in: Representations of the Past: The Writing of National Histories in Europe, NHIST Programme Annual Newsletter 1 (2004), S. 3-5.
[74] Krieger, Martin, „Transnationalität“ in vornationaler Zeit? Ein Plädoyer für eine erweiterte Gesellschaftsgeschichte der Frühen Neuzeit, in: Geschichte und Gesellschaft 30(2004), S. 125-136. Für Saunier (Anm. 67), S. 111, ist der transnationale Ansatz bei Mediävisten und Neuzeithistorikern allerdings eine Selbstverständlichkeit: "Aux yeux des historiens médiévistes ou modernistes, qui ont développé depuis très longtemps des thématiques similaires dans le domaine du commerce et des pratiques religieuses ou culturelles, cette ambition ressemblerait sans doute à l’invention de l’eau tiède."
[75] Haverkamp, Alfred, Perspektiven deutscher Geschichte während des Mittelalters, in: Gebhardt Handbuch der deutschen Geschichte, Bd. 1, Stuttgart 200410, S. 1-143, hier S. 100.
[76] Clavin (Anm. 44), S. 429. Ähnlich Jenkins, Jennifer, Transnationalism and German History, in: http://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-German&month=0601&week=d&msg=jdQ5FjF3i2OWwWSkGlTt/w&user=&pw=GlTt/w&user=&pw=, für die Transnationalismus zunächst eine sowohl zeitliche (!) wie geographische Erweiterung über die nationalen Grenzen hinaus bedeutet.
[77] Anderson, Benedict, Die Erfindung der Nation. Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts, Frankfurt 20052, Zitat S. 15 (Fettdruck im Original).
[78] Vgl. Stauber (Anm. 60), S. 160ff. Ausnahmen sind: Smith, Anthony D., The Ethnic Origins of Nations, Oxford 1986; Estel, Bernd, Nation und nationale Identität. Versuch einer Rekonstruktion, Opladen 2002; und auch Langewiesche (Anm. 37), S. 616f., ist überzeugt: „Das meint Erfindung der Nation: Die Geschichte wird neu eingekleidet, aber aus dem Fundus der Vergangenheit.“ Mit George H. Mead (1929) meint er, die „’Gedächtnisbilder’ (...) werden zwar ‚erfunden’, doch wirken können sie nur, wenn sie das Neue im Fundus der Vergangenheit auffinden.“
[79] Langewiesche (Anm. 37), S. 598.
[80] Haverkamp (Anm. 75), S. 83.
[81] Jarausch (Anm. 44).
[82] Vgl. Osterhammel (Anm. 66).
[83] Cf. Sachsenmaier (Anm. 64); Fuchs, Eckhardt, Welt- und Globalgeschichte – ein Blick über den Atlantik, in: geschichte.transnational, 31.03.2005, unter: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin/forum/2005-03-004.
[84] Meissner, Jochen, Die Tradition der ‚Area Studies’ und die Perspektiven neuer Formen transnationaler, transkultureller, postkolonialer und globaler Geschichtsschreibung, in: geschichte.transnational, 16.03.2005, unter: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin/forum/2005-03-003; vgl. Gerber, Adrian, Transnationale Geschichte „machen“ – Anmerkungen zu einem möglichen Vorgehen, in: geschichte.transnational, 02.04.2005, unter: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin/forum/2005-04-001.
[85] Clavin (Anm. 44), S. 437.
[86] Keohane, Robert O.; Nye, Joseph S. (Hgg.), Transnational Relations and World Politics, Cambridge MA 1981, S. xi.
[87] Patel (Anm. 54), S. 632f.; Clavin (Anm. 44), S. 436, 438; Middell (Anm. 67), S. 42.
[88] Löhr, Isabella, Transnationale Geschichte und internationale Rechtsregime, in: geschichte.transnational, 07.07.2005, unter: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin/forum/2005-07-001.
[89] Langewiesche (Anm. 37), S. 597f., 605.
[90] Wirtz, Albert, Für eine transnationale Gesellschaftsgeschichte, in: Geschichte und Gesellschaft 27(2001), S. 489-498, hier S. 492.
[91] Zitiert nach Pyka, Marcus, Geschichtswissenschaft und Identität. Zur Relevanz eines umstrittenen Themas, in: Historische Zeitschrift 280(2005), S. 381-392, hier S. 381.
[92] Werner; Zimmermann (Anm. 39), S. 614: „Kontakte, Transfers, Beziehungen bedeuten (...) nicht (...) nur Verbindungen oder Gemeinsamkeiten von verschiedenen Ensembles, sondern meinen eine Form von Vernetzung, welche die fraglichen Ensembles selbst umformt, ihre Identität neu schreibt.“; Conrad, Sebastian, Doppelte Marginalisierung. Plädoyer für eine transnationale Perspektive auf die deutsche Geschichte, in: Geschichte und Gesellschaft 28(2002), S. 145-169, hier S. 147: „Vor diesem Hintergrund ist die Forderung nach verstärkter Berücksichtigung transnationaler Verflechtungen nicht nur ein Plädoyer dafür, die artifizielle Abstraktion der Nationalgeschichte zu überdenken und in Frage zu stellen, sondern auch dafür, sie ihrerseits als ein Ergebnis transnationaler Austauschbeziehungen zu begreifen.“; Jenkins (Anm. 76): „Transnationalism places emphasis not just on the diffusion of ideas but, importantly, on dialogue between multiple actors (...) It emphasizes the active process of transmission and translation that necessarily occurs as ideas, narratives and models travel and are implemented across national boundaries.”
[93] Osterhammel (Anm. 66). S. 468.
[94] Mitterauer, Michael, Warum Europa? Mittelalterliche Grundlagen eines Sonderwegs, München 2003, S. 8.
[95] Renan, Ernest, Qu’est-ce qu’une Nation? et autres écrits politiques, présentés par Raoul Girardet, Paris 1996, S. 228: "L’essence d’une nation est que tous les individus aient beaucoup de choses en commun, et aussi que tous aient oublié bien des choses."
[96] Trausch (Anm. 58), S. 11: "C’est la résistance du peuple luxembourgeois à l’occupant étranger qui a achevé le processus de création nationale."
[97] Oelkers, Jürgen; Riemer, Holger-Jens, Überlegungen zur Begründung einer kritischen Geschichtswissenschaft, in: Geiss, Immanuel; Tamchina, Rainer, Ansichten einer künftigen Geschichtswissenschaft I: Kritik - Theorie - Methode (= Reihe Hanser 153), München 1974 S. 89-119.
[98] Heinen (Anm. 22), S. 198f.
[99] Mersch, Jacques, Luxembourg. Vues anciennes 1598-1825, Luxembourg 1977, S. 17.
[100] Es dürfte kein Zufall sein, dass auch Nicht-Luxemburger Historiker die besondere Lage Luxemburgs (oft ohne den Namen zu nennen) als Beispiel für transnationale Arbeiten empfehlen. Siehe z. B. Clavin (Anm. 44), S. 431: “The Franco-German borderlands, with their rich multicultural identity, are not just areas rich (…) in transnational connections. (…) It begs the question what areas of Europe other than Alsace and Lorraine might be designated to be of special transnational interest.” oder Patel (Anm. 54), S. 636: “Was aber wenn die Verflechtungen innerhalb des Saar-Lor-Lux Raumes in vielen Fragen den Skalpellschnitt entlang nationaler Grenzen verbieten?”, oder Kott, Sandrine; Nadau, Thierry, Pour une pratique de l’histoire sociale comparative. La France et l’Allemagne contemporaines, in: Genèses 17(1994), S. 103-111, hier S. 108.

Citation
Was unterscheidet die Muschelkette aus Waldbillig von der Igeler Säule? Von der trans- zur metanationalen Perspektive in der Nationalgeschichte am Beispiel Luxemburgs, in: Connections. A Journal for Historians and Area Specialists, 22.06.2007, <www.connections.clio-online.net/debate/id/diskussionen-897>.
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22.06.2007
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Diese Rezension entstand im Rahmen des Fachforums 'Connections'. http://www.connections.clio-online.net/
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