Transnationale Geschichte schreiben. Probleme zwischen Methode, Empirie und Darstellung

Place
Bonn
Host/Organizer
Gregor Feindt (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn), Friedemann Pestel (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)
Date
12.01.2012 - 14.01.2012
Deadline
15.10.2011
By
Feindt, Gregor

Transnationale Ansätze erfreuen sich in den Geschichtswissenschaften einer fast schon an Selbstverständlichkeit grenzenden Konjunktur, bleiben methodisch jedoch eher heterogen. In erster Linie scheint es sich um einen Sammelbegriff zu handeln, der sich bewusst von nationalstaatlich fokussierten Zugängen abgrenzt und Untersuchungsgegenstände oberhalb von oder zwischen Nationalstaaten favorisiert. Trotz der etablierten und häufig angewandten Paradigmen – wie Historischer Vergleich, Kulturtransfer, histoire croisée, entangled history und post colonial studies – klaffen methodisch-programmatischer Anspruch und empirische Umsetzung unverkennbar auseinander. Dabei bietet gerade die Operationalisierungsebene die Möglichkeit, transnationales Erklärungspotenzial auszuleuchten und Synergieeffekte der einzelnen Ansätze, jenseits ihrer unterschiedlichen Entwicklungskontexte, zu nutzen. In der Forschungspraxis stellt sich darüber hinaus in der engeren Verzahnung von Theorie und Objekt das Problem der Darstellbarkeit transnationaler Konstellationen.

Im Doktorandenkolloquium möchten wir uns dieser arbeitspraktischen Herausforderungen annehmen, ausgehend vom jeweiligen Untersuchungsgegenstand und seiner notwendigen Historisierung. Mögliche Aspekte können dabei sein:
- Transnationalität und Raum: Wie lässt sich eine transnationale Perspektive in lokalen, regionalen, nationalen und globalen Räumen mit einer induktiven Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes sowie den zeitgenössischen Wahrnehmungen verbinden?
- Transnationalität und Zeit: Welche Rolle spielen räumlich differenzierte Ungleichzeitigkeiten? Wie können Raumerfahrungen Zeitwahrnehmungen diachron prägen?
- Transnationalität und Bewegung: Welche Zusammenhänge bzw. Kontexte werden überschritten? Wo liegen Motivationen von Akteuren und Besonderheiten von Kontaktzonen?

Die Beschäftigung mit diesen Problemen lässt sich nicht ablösen von der Position des historischen Betrachters in ihren eigenen Raum-Zeit-Erfahrungen und den ihnen eingeschriebenen Erwartungen. Transnationale Geschichte verlangt damit in ihrer konkreten Umsetzung historische Selbstreflexivität. Wie kann deren Erkenntnis in das Schreiben transnationaler Geschichte ein-fließen und wo stößt ein solches Bewusstsein an seine Grenzen?
Ausgehend von diesen Überlegungen verstehen wir das Doktorandenkolloquium als Werkstatttreffen, bei dem wir einerseits die Dissertationsprojekte der Teilnehmer methodisch-praktisch diskutieren werden, andererseits auf dieser empirischen Basis Konsequenzen, Möglichkeiten und Grenzen transnationaler Ansätze ausloten wollen. Dazu laden wir herzlich Doktorandinnen und Doktoranden der Geschichtswissenschaften und benachbarter Disziplinen ein, deren Dissertationsprojekte ähnliche Richtungen einschlagen.

Unser Kolloquium ist offen für Projekte in allen Arbeitsstadien: Fortgeschrittenen Promovierenden bieten wir die Möglichkeit, Kapitel bzw. Ausschnitte ihrer Arbeit vorzustellen und gezielt Darstellungsprobleme zu thematisieren. Gleichzeitig wenden wir uns auch an Promovenden am Beginn ihrer Dissertation, um transnationale Problemstellungen, Operationalisierungsmöglichkeiten und Perspektivhorizonte zu diskutieren. Da wir den Schwerpunkt der Arbeitssitzungen auf die Diskussion legen wollen, sollen die Texte und Darstellungen den Teilnehmenden vor der Veranstaltung zur Verfügung gestellt werden.

Interessierte Doktorandinnen und Doktoranden bitten wir bis zum 15. Oktober 2011, gern aber auch früher, um Vorschläge (Abstract des Gesamtprojekts mit Vorschlag von Problemfeldern). Gleichzeitig bitten wir Zuhörer ohne eigenen Beitrag um eine kurze Interessensbekundung. Für Fragen und Anregungen sind wir jederzeit offen.

Reise- und Übernachtungskosten für Stipendiatinnen und Stipendiaten können aus den Mitteln der Studienstiftung des deutschen Volkes bezuschusst werden.

Kontakt

Gregor Feindt
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Institut für Geschichtswissenschaft
Abteilung für Osteuropäische Geschichte
Lennéstraße 1
53121 Bonn
email: gfeindt@gmail.com

Friedemann Pestel
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Historisches Seminar
Lehrstuhl für Geschichte des Romanischen Westeuropa
79085 Freiburg im Breisgau
email: friedemann.pestel@gmx.de

Citation
Transnationale Geschichte schreiben. Probleme zwischen Methode, Empirie und Darstellung, 12.01.2012 – 14.01.2012 Bonn, in: Connections. A Journal for Historians and Area Specialists, 23.09.2011, <www.connections.clio-online.net/event/id/termine-17043>.
Editors Information
Published on
23.09.2011
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