B. Hooper: Foreigners Under Mao

Title
Foreigners Under Mao. Western Lives in China 1949–1976


Author(s)
Hooper, Beverley
Published on
Extent
XI, 292 S.
Price
€ 60,49; £ 47.00
Reviewed for Connections. A Journal for Historians and Area Specialists by
Mascha Jacoby, Doktorandenkolleg China in Europe, Europe in China. Past and Present, Universität Hamburg

Nach der Gründung der Volksrepublik mussten die meisten in China lebenden Ausländer das Land verlassen. Die neue Führung sah in Geschäftsleuten, Missionaren und Wissenschaftlern aus dem Westen Vertreter imperialistischer Mächte, die China seit dem 19. Jahrhundert ausgebeutet und erniedrigt hatten. Doch die Kommunistische Partei erlaubte auserwählten westlichen Gruppen, in der Volksrepublik zu arbeiten, einigen für ein paar Jahre, anderen ein Leben lang. Diesen wenig untersuchten ausländischen „communities“ unter Mao Zedongs Herrschaft (1949–1976) widmet sich Beverley Hooper in ihrer umfangreichen und spannenden Studie. Die Historikerin baut auf der Forschung von Anne-Marie Brady auf, die das waishi xitong der Volksrepublik analysiert hat: das System, welches das Verhältnis von Chinesen zu Ausländern regelt.[1] Während Brady den Fokus auf das Management der westlichen „Freunde Chinas“ seitens der chinesischen Regierung legt, konzentriert sich Hooper auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen sämtlicher westlicher Gemeinschaften in China, deren Kontakte zu Chinesen und Beziehungen untereinander.

Hierin liegt das Novum der Untersuchung: Hooper verhandelt und vergleicht Gruppen von Westlern in China miteinander, die meist getrennt voneinander betrachtet werden: Kommunisten und Sympathisanten, die für chinesische Staatsinstitutionen arbeiteten, sowie Vertreter und Teilnehmer zwischenstaatlichen Austauschs. So identifiziert Hooper sechs „small and distinct communities“, nach denen das Buch gegliedert ist: „ausländische Genossen“, Überläufer aus dem Koreakrieg, Diplomaten, Korrespondenten, „ausländische Experten“ und Studenten (S. 1). Die emeritierte Professorin nutzt diesen breiten Ansatz, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den verschiedenen „communities“ herauszuarbeiten, insbesondere in deren Verhältnis zum chinesischen Gegenüber. Übergreifend stellt Hooper fest, dass alle westlichen Gruppen einer „privileged segregation“ unterlagen, die chinesische Behörden strikt durchsetzten, um den Informationsfluss nach außen und innen zu kontrollieren (S. 5). Jedoch variierte das Maß an Zugang, das verschiedene „communities“ zur chinesischen Gesellschaft hatten. Entsprechend gruppiert Hooper diese danach, wie sie politisch zur sozialistischen Regierung standen. Diese vereinfachende Analyse steht gelegentlich quer zur gelungenen komplexen Argumentation innerhalb der einzelnen Kapitel. Denn in vielen „communities“ waren verschiedene Schattierungen politischer Haltungen vertreten.

In Teil I und II rekonstruiert Hooper die Situation von ausländischen Kommunisten und Überläufern des Koreakriegs, die als einzige der untersuchten „communities“ dem Anspruch der chinesischen Regierung gerecht geworden seien, dass nach 1949 nur noch „freundlich“ eingestellte Ausländer in China arbeiten dürften. Dies galt zweifelsohne für die „ausländischen Genossen“, von denen die meisten als Lehrer, Übersetzer und Redakteure an chinesischen Universitäten und Verlagen tätig waren. Andere Westler bezeichneten sie als „300 percenters“, weil sie maoistischer als der Maoismus selbst gewesen seien (S. 231). Einige nahmen die chinesische Staatsbürgerschaft an und traten der Partei bei. Hooper zeichnet nach, wie „ausländische Genossen“ an der chinesischen Auslandspropaganda mitwirkten, und ergänzt somit jüngere Beiträge zur Entstehung fremdsprachiger Ausgaben von Maos Werken und chinesischer Zeitschriften, die den Ursprung des globalen Maoismus in den 1960ern und 1970ern bildeten.[2]

Im Unterschied zu den „ausländischen Genossen“ entschieden sich die amerikanischen und ein britischer Überläufer erst während ihrer Kriegsgefangenschaft im Koreakrieg, den sozialistischen Aufbau Chinas zu unterstützen, teils aus politischer Überzeugung, teils aus Angst vor strafrechtlicher Verfolgung in ihren Heimatländern. „Freundlich“ gegenüber der chinesischen Regierung waren die meisten Überläufer aber schon nach kurzer Zeit nicht mehr. Hooper schildert, wie mangelnde Integration und Anerkennung die Überläufer binnen einiger Jahre dazu bewogen, China zu verlassen, nachdem sie kurze Zeit medial in die anti-amerikanische Berichterstattung eingespannt worden waren. Die besser vernetzten „ausländischen Genossen“ sahen in der Kulturrevolution zunächst eine Chance, um für politische Teilhabe zu kämpfen. Sie durften eigene Rebellenorganisationen bilden, um an der Bewegung teilzunehmen. Doch die Hoffnung wurde enttäuscht, als sie kurze Zeit später als „ausländische Spione“ angeklagt und jahrelang inhaftiert oder unter Hausarrest gestellt wurden.

Teil III und IV widmen sich westlichen Diplomaten und Korrespondenten, die von chinesischer Seite als Vertreter kapitalistischer Staaten – und daher mit besonderer Vorsicht – betrachtet wurden. Diplomaten schufen sich durch ihren Sonderstatus Räume westlicher Gewohnheiten und Kultur, die sich drastisch von der chinesischen Außenwelt unterschieden. Für ihre „privileged segregation“ waren sie somit im Unterschied zu den anderen Gruppen größtenteils selbst verantwortlich. Während der Kulturrevolution gerieten die westlichen Botschaften unter Beschuss. In die Gruppen marodierender Roten Garden, die im Sommer 1967 die britische Botschaft verwüsteten und in Brand setzten, mischten sich auch einige der englischsprachigen „ausländischen Genossen“. Die Trennung in verschiedene politische Lager im Kalten Krieg führte auch in ausländischen Bevölkerungsgruppen in China zu drastischen Auseinandersetzungen, wie Hooper am britischen Beispiel erläutert.

Korrespondenten waren abhängiger vom Wohlwollen der chinesischen Regierung als Diplomaten. Die Behörden lehnten beispielsweise Anträge von westlichen Journalisten mit guten Chinesischkenntnissen ab oder verlängerten Aufenthaltsgenehmigungen einzelner Korrespondenten nicht. Die meisten respektierten den Abstand, den Chinesen zu ihnen hielten, um sie nicht in Gefahr zu bringen. Hooper beschreibt, welche Auswirkungen fehlende Informanten und einseitige staatliche Narrative auf die Berichterstattung der westlichen Korrespondenten hatte: Einige wichen nicht von den offiziellen Verlautbarungen der Regierung ab, andere verfassten atmosphärische Beschreibungen von Land und Leuten. Dennoch entstanden auch investigative Artikel. So konnte ein Korrespondent am abgehängten Portrait eines hochrangigen Kaders erkennen, dass ein Führungswechsel stattgefunden hatte. Am Rande geht Hooper auch auf die Arbeit von kommunistischen Journalisten ein, die von der chinesischen Regierung als „freundlich“ beurteilt wurden. Spannend für weitere Forschungen wäre die Frage, wie sich die unter diesen Umständen entstehende westliche Berichterstattung über China auf die Entstehung von Bildern von der Volksrepublik im Westen auswirkte.

Die letzten beiden Teile handeln von politisch vielfältigeren Gruppierungen. Unter der Bezeichnung „ausländische Experten“ fasst Hooper jene Lehrer, Übersetzer und Redakteure zusammen, die im Unterschied zu den „ausländischen Genossen“ nur vorübergehend für chinesische Institutionen arbeiteten. Da die „Genossen“ aber auch in die chinesische Kategorie der „ausländischen Experten“ fielen, macht die strukturelle Trennung der beiden Gruppen in Hoopers Analyse inhaltlich wenig Sinn. Auch wenn nicht alle „ausländischen Experten“ überzeugte Maoisten waren, standen sie doch im Dienst des chinesischen Staates und waren mindestens zum Zeitpunkt ihrer Einstellung diesem gegenüber „freundlich“ eingestellt. Zudem konnte der Übergang vom „ausländischen Experten“ zum „ausländischen Genossen“ fließend sein.

Westliche Studierende begleiteten die außenpolitische Annäherung Chinas an den Westen Anfang der 1970er-Jahre.[3] Einige Studierende begeisterten sich primär für die chinesische Kultur und Sprache, andere für den Maoismus. Wie viele „ausländische Experten“ wollten sie die Utopie Volksrepublik erleben, die sie sich zuvor aus der Ferne ausgemalt hatten. Hooper beschreibt Prozesse der Entzauberung, die bei vielen einsetzten, als sie mit chinesischen Realitäten konfrontiert waren. Studierende hätten dabei besonders hartnäckig versucht, die „privileged segregation“ aufzubrechen, die sie auch von ihrem Studiengegenstand abhielt. Dies sei selten außerhalb des Rahmens gelungen, den chinesische Behörden für den Austausch mit chinesischen Kommilitonen geschaffen hatten. Studierenden seien „chinesischen Freunden“ zugeteilt worden, die über Verhalten und Gesinnung der Westler Bericht erstatten mussten. Wie Hooper, die von 1975 bis 1977 in Peking studierte, nicht zuletzt aufgrund eigener Erfahrung aufzeigt, waren diese Freundschaften oftmals eher oberflächlich.

Insgesamt gelingt es Hooper, anhand unterschiedlicher Beispiele zu zeigen, dass die Volksrepublik während des Kalten Krieges weniger abgeschottet war als häufig dargestellt würde – was jedoch keine gänzlich neue Erkenntnis ist. Als Zeitzeugin verflicht sie eine beeindruckende Fülle von Erfahrungen und Erinnerungen einzelner Westler aus Memoiren, Archivalien und Interviews gekonnt mit den komplexen politischen und sozialen Kontexten des maoistischen Chinas. Bei ihrem Anliegen, den in China lebenden Westlern eine Stimme zu geben, reflektiert sie die Narrative ihrer Protagonisten jedoch kaum kritisch. Trotz dieser kleinen Schwächen stellt der Band einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der transnationalen Verknüpfungen Chinas im Kalten Krieg dar.

Anmerkungen:
[1] Anne-Marie Brady, Making the Foreign Serve China. Managing Foreigners in the People’s Republic, Lanham 2003.
[2] Vgl. Alexander C. Cook (Hrsg.), Mao’s Little Red Book. A Global History, Cambridge 2014.
[3] Für eine lesenswerte umfangreiche Studie zur westeuropäischen Rolle bei Chinas Transformationsprozess siehe Martin Albers, Britain, France, West Germany and the People’s Republic of China, 1969–1982. The European Dimension of China’s Great Transition, London 2017.

Citation
Mascha Jacoby: Rezension zu: : Foreigners Under Mao. Western Lives in China 1949–1976. Hong Kong  2016 , in: H-Soz-Kult, 10.10.2018, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-28171>.
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10.10.2018
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