EEGA-Podiumsdiskussion: "Aktuelle Ansätze für das Schreiben der jüngsten Zeitgeschichte im östlichen Europa"

Place
Leipzig
Venue
Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO)
Host/Organizer
Leibniz-WissenschaftsCampus "Eastern Europe - Global Area"
Date
09.10.2017

Podiumsgästen:
Dr. Sandra Dahlke, Stellvertretende Direktorin am Deutschen Historischen Institut Moskau
Prof. Dr. Miloš Rezník, Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Warschau
Dr. Manfred Sapper, Chefredakteur der Monatszeitschrift OSTEUROPA
Dr. Dietmar Wulff, Dozent für Geschichte an der Higher School of Economics, Campus St. Petersburg

Die Moderation übernehmen Prof. Dr. Frank Hadler (GWZO) und Prof. Dr. Matthias Middell (Universität Leipzig).

Zeitgeschichte wird traditionell als die Geschichte der Miterlebenden definiert. Dies bestimmt einerseits den Zeitraum, der Behandlung findet. Er ist gebunden an Zeitzeugenschaft und damit indirekt häufig auch an die nur rudimentäre Verfügbarkeit der Archive, die meist noch nicht vollständig geöffnet sind. Daraus ergibt sich nicht selten eine besondere Beziehung zur Geschichtspolitik, denn die Interpretation der jüngeren Geschichte steht dort häufig im Vordergrund und ist besonders umstritten, also auch anfällig für Instrumentalisierungen durch verschiedene gesellschaftliche Akteure.

Zeitgeschichte ist zudem häufig primär verstanden als die Geschichte der eigenen Gemeinschaft, sei sie national, regional, ethnisch, sozial oder in Form anderer Gemeinschaften bestimmt. Dies steht in einer wachsenden Spannung zu Trends zunehmender Verflechtung über die Grenzen von Nationalstaaten, Kulturen und Kontinenten hinweg. Die neuere Globalgeschichte geht so weit zu postulieren, dass gesellschaftliche Entwicklungen weniger durch interne Faktoren als durch die Interaktion verschiedener, teilweise räumlich weit auseinander liegender Gesellschaften verursacht werden (global condition). Was bedeutet diese Annahme für das Konzipieren und Schreiben von Zeitgeschichte? Ist die Bindung an die Zeitzeugenschaft der in einer Gesellschaft zusammen Lebenden weniger wichtig als die globalen Verflechtungen?

Wird Zeitgeschichte damit wieder stärker strukturalistisch? Ist die häufig auf Beziehungen zur Geschichtspolitik verweisende Frage nach der Identität damit weniger wichtig?

Diese Fragen sollen im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion stehen, die der Leibniz- WissenschaftsCampus EEGA in Leipzig organisiert. Es liegt im Forschungsfokus des Campus, nach den Konsequenzen zu fragen, die globale Prozesse für verschiedene Phänomene im östlichen Europa haben, darunter auch die Auffassungen über die Zeitgeschichte. Dass diese umstritten sind, ist uns bewusst. Es kann also keine eindeutige und verbindliche Antwort auf die oben gestellten Fragen geben. Vielmehr wollen wir einen fruchtbaren Austausch zwischen verschiedenen Positionen und Denkrichtungen initiieren.

Kontakt

Lena Dallywater

Leibniz-Institut für Länderkunde | Leibniz Institute for Regional Geography

Koordinatorin WissenschaftsCampus EEGA | Coordinator ScienceCampus EEGA

Schongauerstraße 9
04328 Leipzig
Tel.: +49 (0)341 600 55-266
Fax.: +49 (0)341 600 55-198
L_Dallywater@ifl-leipzig.de
www.leibniz-eega.de

Citation
EEGA-Podiumsdiskussion: "Aktuelle Ansätze für das Schreiben der jüngsten Zeitgeschichte im östlichen Europa", 09.10.2017 Leipzig, in: Connections. A Journal for Historians and Area Specialists, 07.10.2017, <www.connections.clio-online.net/event/id/termine-35298>.
Editors Information
Published on
07.10.2017
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