Globale Ungleichheiten diskutieren. Der Nord-Süd-Konflikt in den internationalen Beziehungen nach 1945

Place
Leipzig
Venue
Universität Leipzig, Historisches Seminar, Felix-Klein-Hörsaal im Paulinum
Host/Organizer
Jürgen Dinkel (Leipzig), Steffen Fiebrig (Halle), Frank Reichherzer (Berlin)
Date
16.02.2018 - 17.02.2018

Am 7. und 8. Juli 2017 trafen sich in Hamburg die StaatschefInnen von 20 Industrie- und „Schwellenländern“ zum G20 Gipfel. Diskutiert wurde dabei die weitere Ausgestaltung des globalen Finanz- und Wirtschaftssystems. Kaum zur Debatte standen grundlegende Alternativen zu westlichen liberalen Modellen der freien Marktwirtschaft. Genau dies war auf internationaler Ebene schon einmal anders. In den 1960er und 1970er Jahren diskutierten postkoloniale Staaten, westliche NGOs und die Regierungen aus Ost und West im Rahmen des Nord-Süd-Dialogs grundlegende Reformen der internationalen Beziehungen, mit einem Schwerpunkt auf Konzepten einer postkolonialen Weltwirtschaftsordnung. Die Institutionen und Foren, die im Zuge dieser Auseinandersetzungen geschaffen wurden, existieren zum Teil bis in die Gegenwart. Ihr politisches Gewicht hat seitdem jedoch je nach Institution ab- oder zugenommen. Dies gilt beispielsweise für Eine-Welt-Läden oder internationale Organisationen wie die Bewegung Bündnisfreier Staaten, die UNCTAD oder die G7- beziehungsweise G20 Treffen, in denen auch heute noch globale Wirtschaftsfragen diskutiert werden. In unserem Workshop wollen wir die Vorgeschichte heutiger Debatten untersuchen.

Der Workshop wird großzügig unterstützt von der Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung und dem Forum for the Study of the Global Condition.

Gäste sind herzlich willkommen. Um eine formlose Anmeldung wird gebeten.

Programm

Freitag, 16.02.2018

10.00 - 10.30 Uhr
Ankunft

10.30 - 11.00 Uhr
Begrüßung/Einführung

Jürgen Dinkel (Leipzig), Steffen Fiebrig (Halle), Frank Reichherzer (Berlin)

11.00 - 12.30 Uhr
Panel 1: Entwicklungsdebatten und -projekte

Moderation: Patrick Wagner (Halle)

Eva-Maria Muschik (Florenz): Managing the World: Die Vereinten Nationen und die Debatte um Staatsverwaltung als Mittel zur Modernisierung in den 1950er Jahren

Birte Förster (Darmstadt/Bremen): Experten und Staudämme. Die Infrastrukturförderung der Weltbank in Ghana und Guinea

Stella Krepp (Bern): Die ECLA/CEPAL, Lateinamerika, und der 'decolonization divide‘, 1948-1973

12.30 - 13.30 Uhr
Mittagspause

13.30 - 15.00 Uhr
Panel 2: UNCTAD, UNIDO und G7

Moderation: Sönke Kunkel (Berlin)

Steffen Fiebrig (Halle): Die Neue Weltwirtschaftsordnung der UNCTAD

Christian Michel (Genf): Technologietransfer und die neue internationale Arbeitsteilung in den 1970ern: die Rolle der UN-Organisationen im Nord Süd Konflikt (UNCTAD & UNIDO)

Samuel Beroud (Genf): OECD und G-7 im Nord-Süd-Konflikt

15.00 - 15.30 Uhr
Kaffeepause

15.30 - 17.00 Uhr
Panel 3: Bündnisfreie

Moderation: Dirk van Laak (Leipzig)

Jonas Kreienbaum (Rostock): Lusaka 1970. Die ökonomische Refokussierung der Bündnisfreien

Natasa Miskovic (Basel): Tito-Jugoslawien als Makler im Nord-Süd-Konflikt

Arno Trültzsch (Leipzig): Globale Gerechtigkeit durch Völkerrecht? Der Nord-Süd-Konflikt in den Vereinten Nationen und die Mittlerrolle Jugoslawiens

17.00 - 17.30 Uhr
Kaffeepause

17.30 - 18.30 Uhr
Panel 4: Ungleichheiten benennen und beschreiben

Moderation: Isabella Löhr (Leipzig)

Martin Deuerlein (Tübingen): Inter-Dependenz: Nord-Süd Beziehungen, Globalismus und die Auseinandersetzung um die Deutung der Welt in den langen 1970er Jahren

Katja Naumann (Leipzig): Die Behandlung globaler Ungleichheit in internationalen Kooperationen im Feld der vergleichenden Sozialwissenschaft

20.00 Uhr
Abendessen

Samstag, 17.02.2018

9.00 - 10.30 Uhr
Panel 5: Ost-Süd-Beziehungen

Moderation: Bernd Greiner (Hamburg/ Berlin)

Steffi Marung (Leipzig): Jenseits von Nord und Süd: Sowjetische Deutungen postkolonialer Entwicklung, 1950er bis 1970er Jahre

Andreas Hilger (Moskau): Sozialismus, Weltwirtschaft und Dritte Welt: Sowjetisch-indische Wirtschaftsbeziehungen

Bence Koscev (Leipzig): Reshaping the Global Order. European CMEA countries and the concept of the New International Economic Order

10.30 - 11.00 Uhr
Kaffeepause

11.00 - 12.30 Uhr
Panel 6: West-Süd-Beziehungen

Moderation: Matthias Middell (Leipzig)

Rüdiger Graf (Potsdam): ’One, two, many OPECs’? Ressourcensouveränität und New International Economic Order in den 1970er Jahren

Simone Müller (München): "Pesticide Donations": Der internationale Handel mit giftigen Abfallstoffen und die Entwicklungshilfe

Thomas Zimmer (Freiburg): „Gesundheit für alle“ – in Nord und Süd. Die Weltgesundheitsorganisation und die Neuordnungsversuche der internationalen Beziehungen in den 1970er Jahren

12.30 - 13.30 Uhr
Mittagspause

13.30 - 15.00 Uhr
Panel 7: Nach dem Nord-Süd-Konflikt

Moderation: Patrick Merziger (Leipzig)

Benjamin Möckel (Köln): Die „Dritte Welt“ in der Fußgängerzone. Weltläden als postkoloniale Imaginationsräume

David Kuchenbuch (Gießen): Dialog „Nord-Nord“? Globalistische Selbstkritik und entwicklungspolitische Bildungsarbeit in der Bundesrepublik Deutschland der 1970er und frühen 1980er Jahre

Timothy Nunan (Berlin): New International Islamic Order? Islamist Visions of Globalism in the 1980s

15.00 - 15.15 Uhr
Kaffeepause

15.15 - 16.00 Uhr
Abschlussdiskussion

Kontakt

Jürgen Dinkel: juergen.dinkel@uni-leipzig.de

Citation
Globale Ungleichheiten diskutieren. Der Nord-Süd-Konflikt in den internationalen Beziehungen nach 1945, 16.02.2018 – 17.02.2018 Leipzig, in: H-Soz-Kult, 13.11.2017, <www.hsozkult.de/event/id/termine-35697>.