„Zwischenvölkische Aussprache“. Internationale Wissenschaftsbeziehungen in wissenschaftlichen Zeitschriften 1933–1945

Place
Berlin
Host/Organizer
Andrea Albrecht / Lutz Danneberg / Ralf Klausnitzer, Institut für deutsche Literatur, Humboldt-Universität zu Berlin
Date
02.11.2017 - 04.11.2017
By
Annika Differding, Universität Stuttgart; Jørgen Sneis, Universität Bielefeld

Zeitschriften sind für die wissenschaftliche Kommunikation von kaum zu überschätzender Bedeutung. Aus wissenschaftshistorischer Perspektive sind sie aufgrund ihrer Periodizität zudem ein vortrefflicher Indikator für den modus operandi der verschiedenen Disziplinen bzw. für Kontinuitäten und Veränderungen in der Wissenschaftslandschaft. Im Rahmen des von der DFG geförderten Projekts „Internationale akademische Beziehungen Deutschlands von 1933 bis 1945“ widmete sich dieser interdisziplinär und international besetzte Workshop dem wissenschaftlichen Zeitschriftenwesen unter den besonderen politischen Rahmenbedingungen im NS-Staat. Als Ausgangspunkt diente die Beobachtung, dass es konträr zu programmatischen Absagen an die Internationalität der Wissenschaft und trotz erheblicher politischer Steuerung und staatlicher Kontrolle von Außenbeziehungen „auch während der Zeit des Nationalsozialismus überraschend umfangreiche und vielfältige internationale Kontakte gab“.[1] Dies wurde zum einen in Fallstudien materialgesättigt nachgezeichnet und zum anderen von methodischen Überlegungen zum Konzept der „Internationalität“ flankiert.

Unter besonderer Berücksichtigung der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich befasste sich FRANK-RUTGER HAUSMANN (Freiburg) im Eröffnungsvortrag mit dem Schicksal der Romanistik und der romanistischen Presse im Dritten Reich. Eingangs wies Hausmann darauf hin, dass die Machtübernahme der Nationalsozialisten hier nur eingeschränkt als eine Zäsur zu betrachten sei: Einerseits habe eine gewisse „Entfremdung“ der deutschen Romanistik von der Romania nicht erst ab 1933, sondern schon in der Zeit nach dem deutsch-französischen Krieg (1870/71) und vollends mit dem Ersten Weltkrieg eingesetzt; andererseits seien auch die Jahre zwischen 1933 und 1945 von mehreren Einschnitten geprägt, so etwa die Nürnberger Rassengesetze von 1935, denen viele Romanisten zum Opfer gefallen sind. Insgesamt ließe sich bis ca. 1938 eine Tendenz zur Abschottung und Marginalisierung der französischen Sprache beobachten, die dann allerdings, u.a. bedingt durch die Kriegsvorbereitung, in eine Öffnung umschlagen sollte. Diese Öffnung, so Hausmann, bestand nicht zuletzt in einem ambitionierten Fremdsprachenprogramm in den Oberschulen sowie in der Gründung der Auslandswissenschaftlichen Fakultät in Berlin, die mit eigenem Promotions- und Habilitationsrecht eine Art Parallelunternehmen zu den regulären Fremdsprachenphilologien bildete: Durch eine Kombination aus aktueller Politik-, Landes-, Sprach- und Kulturkunde wurde ein ganzheitliches Verständnis der jeweiligen Länder angestrebt – mit ständigem Blick auf die außenpolitischen Interessen Deutschlands. Außerhalb der Landesgrenzen entstanden zahlreiche Auslandsinstitute unter deutscher Leitung, die häufig über eigene Publikationsorgane verfügten, so etwa das Deutsche Institut in Paris unter der Leitung Karl Eptings mit der "Deutsch-Französischen Vierteljahrsschrift", die als Kollaborationszeitschrift fungierte. Trotz antifranzösischer Ressentiments und institutioneller Konkurrenz, so Hausmann abschließend, konnte jedoch die Romanistik im Großen und Ganzen fortbestehen; es wurden beispielsweise keine romanistischen Fachzeitschriften während der NS-Herrschaft eingestellt. Als Desiderat wies Hausmann auf noch fehlende Personen- und Redaktionsarchive für die Romanistik und Anglistik hin. Das von ihm initiierte Romanisten-Archiv an der Universität Augsburg ist ein erster Schritt in diese Richtung.

Im Anschlussvortrag, der zugleich als Problemaufriss und Einführung in die Thematik des Workshops diente, rückten ANDREA ALBRECHT und ALEXANDRA SKOWRONSKI (beide Heidelberg) das Konzept des „zwischenvölkischen Verstehens“ in den Vordergrund. Während des Nationalsozialismus sei es schon früh zu Absagen an die Internationalität gekommen, allerdings ohne dass ein internationaler Austausch in der Wissenschaft entsprechend ausgesetzt worden sei. Zu beobachten seien allerdings vielfach semantische Akkommodationen. Solche scheinbar nur sprachlichen Anpassungen, etwa die nun gängige Rede vom „zwischenvölkischen Verstehen“, seien dabei keineswegs als Oberflächenphänomen zu charakterisieren; über ihre theoretische Konzeptualisierung konnten vielmehr NS-Ideologeme zum Teil tief in die einzelnen Wissenschaften eindringen. Das breite Spektrum an Antworten auf die Frage, wie unter der Prämisse des „völkischen Prinzips“ bzw. des „Primats der Rasse“ und der Weltanschauung ein internationaler Wissensaustausch zu modellieren sei, führten Albrecht und Skowronski am Beispiel von Ludwig Ferdinand Clauß, Wolfgang Erxleben, Hans Freyer und Theodor Haering vor. War bis Kriegsbeginn der Wissensaustausch noch in betonter Weise als bilateral gesehen und gefördert worden, ließen sich im Zuge der ersten Kriegserfolge und -misserfolge zunehmend Konzeptionen eines hegemonialen Wissenstransfers beobachten. Für das Zeitschriftenwesen sei jedoch festzuhalten, dass der Austausch mit dem Ausland je nach Disziplin zu differenzieren ist, sofern bestimmte Wissenschaftsbereiche in gewisser Weise intrinsisch international organisiert sind (z.B. Physik, Theologie). Allgemein sei zu bilanzieren, dass die aufrechterhaltene Internationalität der Wissenschaft – oder auch nur der Anschein davon – auch im Nationalsozialismus für das Selbstverständnis der deutschen Wissenschaftler von großer Bedeutung gewesen sein muss. Davon zeuge nicht nur das praktische Engagement der Wissenschaftler und Wissenschaftspolitiker, sondern auch der hohe intellektuelle Aufwand bei der theoretischen Konzeptualisierung eines „zwischenvölkischen Verstehens“.

Als Einführung und Problemaufriss war ebenfalls der Vortrag von RALF KLAUSNITZER (Berlin) konzipiert, der die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen des deutschen Zeitschriftenwesens zwischen 1933 und 1945 in den Blick nahm. Als wichtigen Hintergrund betonte er hierbei die Zeitschriftenkrise nach dem Ersten Weltkrieg durch den Boykott deutscher Zeitschriften im Ausland. Erst um 1935 seien deutsche Bücher und Zeitschriften durch staatliche Subventionen wieder konkurrenzfähig geworden. Anhand einzelner Zeitschriften ging Klausnitzer den komplexen Gründen für eine staatliche Einflussnahme auf Zeitschriften im Dritten Reich nach, mit Blick auf Neugründungen ("Zeitschrift für die gesamte Naturwissenschaft"), Interventionen gegen ausländische Zeitschriften ("Nature") und Formen der Ressourcenmobilisierung während des Krieges ("Physikalische Blätter"). Während es offiziell eine staatliche Zensur von Zeitschriften zwar nie gegeben habe, kamen andere Zensurtechniken zum Tragen, die zumeist auf Mechanismen der Eigenkontrolle rückführbar seien. Unter diesen unübersichtlichen Publikationsbedingungen sei es schließlich zu Gründungs- und Modernisierungsschüben im wissenschaftlichen Zeitschriftenwesen gekommen, auch wenn nur wenige Neugründungen über 1945 hinaus fortbestehen konnten.

Nach dieser doppelten thematischen Hinführung durch die Veranstalter widmeten sich die meisten Vorträge exemplarisch einzelnen Zeitschriften. So präsentierte zunächst HOLGER DAINAT (Bielefeld) Funde aus dem Archiv der Deutschen Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte (DVjs), einem 1923 gegründeten, interdisziplinären Periodikum mit nationalem Schwerpunkt auf Deutschland, das allerdings, wie Dainat anhand der Herausgeberkorrespondenz zeigen konnte, angesichts der wirtschaftlichen Bedingungen auf Vertrieb im Ausland angewiesen war. Dainat wies darauf hin, dass ausländische Beiträger wie z.B. Benedetto Croce oder Fernand Baldensperger das Renommee der Zeitschrift stärkten. Dabei seien auch während der nationalsozialistischen Diktatur ausländische Beiträge zu verzeichnen, mit einem Höhepunkt im vierten Heft 1939; in den folgenden Jahren seien sie aber vor allem von Germanisten im Ausland geliefert worden, so dass von einem internationalen Austausch kaum mehr die Rede sein könne. Dies habe sich auch im Zitierverhalten niedergeschlagen: Selten sei ausländische Forschungsliteratur zur Kenntnis genommen worden. In der Nachkriegszeit lasse sich dann mit Blick auf die Herkunftsländer der (ausländischen) Beiträge eine Verschiebung beobachten: Die USA und Großbritannien spielten nun eine wichtigere Rolle. Nach Dainat handelte es sich dabei zu großen Teilen um Exilanten, die teilweise erst nach ihrer Emigration zu Germanisten wurden. Sie trugen, so Dainat abschließend, maßgeblich zur Anerkennung der DVjs bei, wobei die internationale Ausrichtung aus Herausgeberperspektive aber sicherlich auch ökonomische Gründe hatte: Im Jahr 1951 stammten 38% aller Abonnenten aus dem Ausland.

INE VAN LINTHOUT (Gent) untersuchte in ihrem Vortrag gemeinsam mit Ralf Klausnitzer den "Europäischen Wissenschafts-Dienst ", eine Zeitschrift, die, wie der parallel erscheinende "Deutsche Wissenschaftliche Dienst", ein Produkt des sogenannten Kriegseinsatzes der Geisteswissenschaften gewesen sei und ihre primäre Funktion in der durch völkische Suprematieansprüche motivierten Vermittlung deutscher Wissenschaft im Ausland gesehen habe. Als eine Leistungsschau der Wissenschaft sei es ihr wichtigstes Anliegen gewesen, eine Neuerung Europas publizistisch zu begleiten und dabei zugleich junge Studenten für die imperialen Konzepte zu mobilisieren. In einer textnahen Analyse eines Artikels des bekennenden Nationalsozialisten F.M. Huebner über „Die Romantik in den Niederlanden“ (1943) zeigte Van Linthout exemplarisch auf, wie in Beiträgen aus dem kollaborierenden Ausland immer wieder eine Spannung zwischen der Herausstellung einer „germanischen“ Zugehörigkeit und der Betonung nationaler und kultureller Eigenständigkeit thematisiert wird.

In dem Vortrag von YVONNE ZIMMERMANN (Stuttgart) standen die internationalen Beziehungen in der "Germanisch-Romanischen Monatsschrift" (GRM) im Dritten Reich im Vordergrund. Trotz ihrer stark romanistischen Ausrichtung, so Zimmermann, belief sich der Anteil ausländischer Beiträge in dieser sowohl pädagogisch als auch wissenschaftlich ausgerichteten Zeitschrift im Untersuchungszeitraum auf nur etwa 20 Prozent, davon stammte ein Großteil von deutschen Germanisten oder Romanisten im Ausland. Diese Zahl sei relativ stabil; im Vergleich zu den 1920er-Jahren habe sie sich während des Nationalsozialismus nicht maßgeblich verändert. Wie Zimmermann zeigen konnte, führte die wissenschaftlich-pädagogische Doppelausrichtung der Zeitschrift und vor allem die enge Verbindung zum schulischen Bildungsprogramm zu einer deutlichen Anpassung an die Vorgaben des nationalsozialistischen Systems, auch wenn neben mehr oder weniger angepassten Aufsätzen auch kritische Artikel erschienen. Für die GRM sei allerdings weniger die nationalsozialistische Machtübernahme im Jahr 1933, als vielmehr der Herausgeberwechsel mitsamt internen Umstrukturierungen im Jahr 1937 ein Einschnitt gewesen: Insbesondere landeskundliche Aufsätze im Sinne des Hegemonieanspruchs und der Ideologie des NS-Staates, so Zimmermanns Beobachtung, gewannen nun zunehmend an Raum. In einer exemplarischen Analyse dreier Beiträge zeigte Zimmermann dabei das existierende Spektrum an Anpassungsleistungen.

KRISTINA MATEESCU (Heidelberg) nahm in ihrem Vortrag religiöse und konfessionelle Aspekte in den Blick und widmete sich der katholischen Zeitschrift "Hochland" mit den dort geführten Diskussionen um das Konzept des Dritten Reichs im Spannungsfeld zwischen nationalsozialistischem Partikularismus und katholizistischem Universalismus. In diesen Diskussionen, dies machte Mateescu deutlich, spielte nicht zuletzt die Frage nach der Definitionshoheit über den Reichsbegriff eine wichtige Rolle, wobei unter anderem katholische Vorstellungen von einer transnationalen, universalen Glaubensgemeinschaft gegen nationalistische Ideen ausgespielt wurden. Für die Zeitschrift lasse sich generell beobachten, dass sie sich nach 1933 zunehmend politisierte, auch wenn die Tagespolitik programmatisch aus ihrem Gegenstandsbereich ausgeschlossen war. Nach außen, so Mateescu, wirkte dabei die tendenziell regimekritische Zeitschrift insofern systemstabilisierend, als sie zur Illustration der Toleranz des Staates gegenüber abweichenden Meinungen genutzt werden konnte; für einen der Zeitschrift nahestehenden Kreis blieb sie dennoch bis zu ihrer Einstellung ein wichtiges Medium der Selbstverständigung.

JENS THIEL (Münster/Berlin) widmete sich der Frage nach der Internationalität der Wissenschaft mit Blick auf die deutschen wissenschaftlichen Akademien. Am Beispiel der Preußischen Akademie in Berlin und der Leopoldina in Halle führte er aus, wie ein Austausch zwar durchaus stattfinden, aber zugleich mit Hegemonieansprüchen gepaart werden konnte. Hierbei wurde deutlich, dass die Einstellung zur Internationalität gerade in derart traditionsreichen Institutionen nicht lediglich von den außenpolitischen Bedingungen zwischen 1933 und 1945 beeinflusst wurde, sondern sich zu großen Teilen noch in der Auseinandersetzung mit institutionellen Strukturen vor und nach dem Ersten Weltkrieg herausgebildet hatte. Anhand der Publikationsorgane der Akademien plädierte Thiel für eine begriffliche Differenzierung in Bezug auf die Internationalität der Wissenschaft in dieser Zeit. So sei etwa zwischen einem Universalismus hinsichtlich der Geltung von Wissensansprüchen und einer publizistischen oder reellen Mobilität der Akteure zu unterscheiden.

In dem Vortrag von MATTHIAS BERG (Berlin) stand vor allem die personelle und verlagspolitische Dimension der Zeitschriftenproduktion im Mittelpunkt, und zwar am Beispiel der konservativen Kulturzeitschrift "Corona", in der neben Schriftstellern auch Wissenschaftler veröffentlichten. Wie Berg nachzeichnen konnte, wurde die Schweizer Zeitschrift zwar auch in Deutschland und Österreich vertrieben, richtete sich aber vornehmlich an ein deutschsprachiges konservatives Bildungsbürgertum, so dass sich nur sehr bedingt von einer internationalen Publikationsplattform sprechen lässt. Während des Nationalsozialismus konnte sie zunächst nahezu unverändert weiterbestehen und hatte eher mit Währungsproblemen als mit den parteiamtlichen Behörden zu kämpfen. Erst mit den Verschärfungen der deutschen Kulturpolitik Ende der 1930er-Jahre kam die Zeitschrift in Bedrängnis, was den Schweizer Mäzen Martin Bodmer dazu veranlasste, ihre Einstellung anzukündigen. Der deutsche Oldenburg-Verlag, für den die Zeitschrift ein Aushängeschild war, bemühte sich dann stattdessen um den im Nationalsozialismus politisch aufsteigenden Historiker Karl Alexander von Müller. Mit diesem neuen, gewissermaßen ideologisch-konformen Herausgeber konnte die Zeitschrift bis zu ihrer kriegsbedingten Einstellung 1943 weitergeführt werden.

Unter Berücksichtigung der Beziehungen zwischen Asien und Europa in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts widmete sich KATRIN HUDEY (Heidelberg) in ihrer Fallstudie der sinologischen Zeitschrift "Sinica". Nach einem kurzen Überblick über die Entwicklung der Sinologie in Deutschland und die Entstehung der Zeitschrift legte sie durch eine Analyse einzelner Beiträge dar, wie Beiträger und Herausgeber während des Nationalsozialismus versuchten, unter den veränderten politischen Bedingungen einen Austausch mit China und chinesischer Kultur zu rechtfertigen und aufrechtzuerhalten. Dabei, so Hudey, musste entgegen der offiziellen Deklassierung der Chinesen als „minderrassig“ plausibel gemacht werden, dass auch China eine völkische Identität und Kultur hat. Mit dem Ziel, Ähnlichkeiten zwischen China und Deutschland herauszustellen, berief man sich nicht zuletzt auf die nationalistische Bewegung Chiang Kai-sheks.

Zum Schluss stellte PASCALE ROURE (Istanbul) ihre Befunde zu deutsch-türkischen Austauschbeziehungen an der Universität Istanbul zwischen 1933 und 1945 vor, wobei sie in diesem Zusammenhang sowohl die personellen Austauschbeziehungen als auch die Publikationsorgane der Universität untersuchte. Zu besonderen Spannungen habe die Tatsache geführt, dass an der Universität sowohl exilierte als auch NS-konforme Wissenschaftler aufeinandertrafen. Als spannungsreich hob Roure auch die sprachliche Dimension des wissenschaftlichen Austausches hervor: Deutsch und Französisch konkurrierten als Wissenschaftssprachen und als Repräsentation zweier unterschiedlicher Universitätsmodelle um eine Vorbildfunktion. Hierbei konnte Roure zeigen, wie sich türkische Rezeptionsstränge der deutschen Philosophie dieser Zeit (z.B. Nicolai Hartmann, Martin Heidegger) verselbständigten und weitgehend isoliert von der deutschen Debatte bestehen konnten.

Nicht nur die Vorträge, sondern auch die Diskussion konnte die Eingangsbeobachtung bestätigen: Die programmatische Absage an die Internationalität der Wissenschaft stand in schroffem Widerspruch zu der Praxis des wissenschaftlichen Arbeitens und Publizierens. Der Workshop diente in erster Linie der Präsentation und Diskussion von (zum Teil unveröffentlichten) Materialien und methodischen Zugängen. Eine Publikation der Beiträge ist von den Veranstaltern geplant.

Konferenzübersicht:

Frank-Rutger Hausmann (Freiburg): Internationalität von Geistes- und Kulturwissenschaften in der NS-Zeit. Die deutsch-französische Rivalität im Spiegel der romanistischen Fachzeitschriften

Andrea Albrecht & Alexandra Skowronski (Heidelberg): Zwischenvölkisches Verstehen. Zur Einführung

Ralf Klausnitzer (Humboldt-Universität zu Berlin): Mit Hollerith-Maschinen und 52 Mio RM. Wissenschaftliche Zeitschriften zwischen staatlichen Subventionen, politischen Imperativen und epistemischem Eigensinn

Holger Dainat (Bielefeld): Die Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte und ihre internationalen Beiträger

Ine Van Linthout (Gent): Europäischer Wissenschafts-Dienst. Expansive Internationalisierung im Rahmen des „Kriegseinsatzes der Geisteswissenschaften“

Yvonne Zimmermann (Stuttgart): Internationale Perspektiven der Germanisch-Romanischen Monatsschrift 1933–1943

Kristina Mateescu (Heidelberg): Katholisch grundierte Internationalität? Die Zeitschrift Hochland

Jens Thiel (Münster/Humboldt-Universität zu Berlin): Internationalität. Was für eine Internationalität? Exemplarische Überlegungen zu Wissenschaftsakademien im „Dritten Reich“

Matthias Berg (Humboldt-Universität zu Berlin): Das Schöne und das Biest. Die deutschschweizerische Kulturzeitschrift Corona und der Nationalsozialismus

Katrin Hudey (Stuttgart): „Das Verständnis und den Austausch zwischen Ost und West [...] fördern“. Zur deutschchinesischen Zeitschrift Sinica (1925–1942)

Pascale Roure (Istanbul): Zu türkisch-deutschen Kontakten

Anmerkung:
[1] DFG-Projekt: Internationale akademische Beziehungen Deutschlands von 1933 bis 1945, http://ns-wissenschaft.fheh.org/ (26. Februar 2018).

Citation
Tagungsbericht: „Zwischenvölkische Aussprache“. Internationale Wissenschaftsbeziehungen in wissenschaftlichen Zeitschriften 1933–1945, 02.11.2017 – 04.11.2017 Berlin, in: H-Soz-Kult, 02.03.2018, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7583>.
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02.03.2018
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