Kolonisierung und Dekolonisierung archäologischen Gedankengutes – Zur Interdependenz von Altertumswissenschaften und moderner Kolonialgeschichte

Place
Freiburg
Venue
Abteilung für Provinzialrömische Archäologie (I.A.W.)
Host/Organizer
Prof. Dr. Alexander Heising, Provinzialrömische Archäologie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Date
17.11.2017 - 18.11.2017
Deadline
30.09.2017
By
Abteilung für Provinzialrömische Archäologie, Institut für Archäologische Wissenschaften (I.A.W.)

Dieser Workshop möchte auf das große Potential dieser mitunter vernachlässigten Problematik aufmerksam machen und interessierten Kolleginnen und Kollegen aus dem In- und Ausland als Plattform für den interdisziplinären Dialog dienen.

State expansion, suppression of conquered cultural landscapes and indigenous assimilation or adoption have been and still are core content and areas of research in the traditional archaeological disciplines of classical antiquity and the early middle ages. From the studies of the emergence, expansion and decline of the first cultural landscapes of the Near East, India and Central Asia to the Far East and China into the dialogue of the classical ages of the Greek and Roman cultural diffusion, subjugation and seeming integration of culturally “less advanced” peoples and landscapes, or the wish of those for integration, on the fringe of or – as one may see it – at the frontiers of antiquity through to the dawning of Medieval times the research and results thereof have been deeply influenced by and in turn have influenced the cultural concepts and ideologies of western colonisation. Not just the periods of classical and archaeological enlightenment in the 17th and 18th centuries and before, but particularly the academic turn of the 19th and early 20th centuries was instrumental in forming the way in which every western colonial administration understood itself. Every colonial official that left for the “Empire” regardless of nationality and the empire saw, understood and compared their Empire in their minds' eye with antiquity, but even more so the colonial imagination of the great majority of western peoples who stayed behind. Also the academic disciplines developing this understanding mirrored the experience of colonialism and Empire. The interaction of the two over time are in part causal not just for the past but also for the modern day production of spatial grounded knowledge and its understanding in particular in both the field of archaeological research and theory as well as in the comprehending of concepts, visions and the generation of global knowledge and western prejudice. Can that which has been seen or conceived in the anthropogenic rest be freed of colonialism or perhaps does one or can one see colonialism or more important – can one describe a decolonisation in antiquity? Is not a re-evaluation of the traditional concepts and interpretations of the archaeological rest or past on the order of the day if one is looking to decolonise knowledge that was in its origin build upon concepts and interpretations of the archaeological rest?

Wir interessieren uns für Papers/ Beiträge, die sich u. a. mit folgenden Inhalten auseinandersetzen:

1) Kolonialisierung bzw. Dekolonialisierung von Antike und Frühmittelalter: Was versteht das Fach darunter, besonders im Vorfeld, während und nach dem neuzeitlichen Kolonialismus?

2) Zum Niederschlag der historischen Kolonialismusbilder in der Wahrnehmung des Kolonialismus bei der allgemeinen Gesellschaft bzw. den kolonialen Verwaltungen (Zivilbeamte und Militärs sowie Geistliche u.a.).

3) Die gegenseitige Wechselwirkung zwischen kolonialen Erfahrungen und der
Wissenschaft(Archäologie und Geschichtsfächer) untersuchen. Hier interessiert besonders dieFrage, ob Bilder von verschiedenen gesellschaftlichen Entwicklungsstufen der archäologischen Kulturtheorien auf die indigenen Bevölkerungen in den jeweiligen Kolonien übertragen wurden und
somit Handlungsimperative geformt haben.

4) Ist z. B. zu erkennen, dass die kolonialen Verwaltungen im muslimischen Nahen Osten, Indien bzw. ndonesien nach z. B. griechisch-römischem Vorbild gehandelt haben, und in der neuen Welt und Afrika usw. von einem neolithischen Vorbild geleitet wurden? Wurden bspw. die Ägypter
anders behandelt, weil es dort früher eine „Hochkultur“ gegeben hat?

5) Erwünscht sind auch Beiträge zum Einfluss des Kolonialismus auf die gegenwärtige archäologische Lehre, Forschung und Theoriebildung – aber auch umgekehrt, und zur Frage, wie viele der heutigen Vorstellungen über ehemalige Kolonialgebiete noch mit archäologischem Gedankengut verhaftet sind?

6) Sind z. B. direkte Transfers möglich gewesen? Haben die Deutschen in Südwestafrika bei der Auseinandersetzung mit den „Herero“ und „Nama“ z. B. Caesar und die Usipeter oder Tenkterer am Niederrhein vor Augen gehabt oder als „Erben“ alter „Germanenreiche“ agiert?

7) Kann die Kenntnis des historischen Verständnistransfers heute helfen, um gegenwärtige Annahmen und Informationen zu dekonstruieren bzw. „zurecht zu rücken“ und somit falsche Vorstellungen zu entmachten?

8) Von zentraler Bedeutung ist die Frage inwieweit die akademische Welt und speziell die Archäologie Einfluss auf die koloniale Politik und deren öffentliche Darstellung genommen haben?

9) Andere Ansätze bzw. Herangehensweisen zu diesem Thema sind ebenfalls willkommen.

Rückmeldung bitte an:
Thomas S. Carhart
carhart@uni-freiburg.de
Abteilung für Provinzialrömische Archäologie
Institut für Archäologische Wissenschaften (I.A.W.)
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Raimar W. Kory
palaeowissenschaften@gmx.de oder raimar_kory@hotmail.com
Freiburger Institut für Paläowissenschaftliche Studien (F.I.P.S.)
c/o Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Kontakt

Thomas S. Carhart
carhart@uni-freiburg.de
Abteilung für Provinzialrömische Archäologie Institut für Archäologische Wissenschaften (I.A.W.)

Raimar W. Kory
palaeowissenschaften@gmx.de oder raimar_kory@hotmail.com
Freiburger Institut für Paläowissenschaftliche Studien (F.I.P.S.) c/o Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Citation
Kolonisierung und Dekolonisierung archäologischen Gedankengutes – Zur Interdependenz von Altertumswissenschaften und moderner Kolonialgeschichte, 17.11.2017 – 18.11.2017 Freiburg, in: H-Soz-Kult, 10.07.2017, <www.hsozkult.de/event/id/termine-34620>.