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Title
Thinking History Globally.


Author(s)
Olstein, Diego
Published
Basinstoke 2014: Palgrave Macmillan
Extent
223 S.
Price
Rezensiert für 'Connections' und H-Soz-Kult von:
Matthias Middell, Global and European Studies Institute, Universität Leipzig

Dieser Band, der eine systematische Erfassung der neueren Welt- und Globalgeschichtstheorien beabsichtigt, beginnt mit einem Paukenschlag, indem er die Zahl der Theorien, die den Untergang des Römischen Reiches zu erklären versuchen, genau auf 210 festlegt (S. 1). Nun gibt es unbestreitbar sehr viele solche Erklärungen. Auf wie viele man genau kommt, hängt davon ab, ob man sie nach ihren Verfassern oder nach den hervorgehobenen Faktoren zu Erklärung des Niedergangs oder aber nach dem Typ der benutzten Narrative sortiert. Ganz abgesehen davon, dass allein Autoren wie Neil Ferguson in ihrem Imperien und Niedergänge vergleichenden Furor mehrere Erzählungen bereit halten und vielleicht gerade jetzt eine neue publizieren. Es ist also gar nicht so einfach den Status einer genau isolierten „Theorie“ zu bestimmen. Hierin liegt die Schwierigkeit, der sich der Pittsburgher Historiker Diego Olstein stellt. Er greift auf eigene Erfahrungen mit empirischen Untersuchungen transregionaler Zusammenhänge (am Beispiel mediterranen Kulturkontakts vom Mittleren Osten bis nach Spanien im 12. Jahrhundert) und eine ebenso reiche Erfahrung in der Lehre zur Einführung von Undergraduates und Graduate Students in Weltgeschichte zurück.

Olstein startet mit der Überzeugung, dass wir Bewohner eines ‚global village’ sind, eine ‚global civil society’ bilden und lediglich die politische Organisation (mit dem Nationalstaat als zentralem Relikt) hinterher hinkt. „Thinking Globally“ ist auch ein Aufruf an die jüngere Generation diesen Widerspruch auszuräumen; gewissermaßen wegzudenken. Hierfür bedarf es des Rüstzeugs, das in einer langen Tradition weltgeschichtlichen Denkens entwickelt wurde. Aus dieser Überzeugung bezieht das Buch, das Studierende ganz direkt anspricht und für den Gebrauch im Seminar konzipiert ist, seine Begründung.

Die anschließende Systematik hebt vier Strategien hervor: die vier wichtigen C in Comparing, Connecting, Conceptualizing und Contextualizing. Diese Systematik betont, dass in den 12 Arten der Weltgeschichteschreibung, die Olstein anschließend identifiziert, diese vier Strategien auf die eine oder die andere Weise kombiniert werden. Die 12 benannten Cluster von Texten, die sich jeweils einen bestimmten Typ der Weltgeschichteschreibung zuordnen, sind: Comparative History, Relational Histories, New International History, Transnational History, Oceanic History, Civilization Analysis, Historical Sociology, World System Approach, Global History, History of Globalization, World History, Big History. Im Folgenden zeigt der Verfasser, wie diese Varianten durch Überschneidungen furchtbar werden und belegt an Beispielen vom Peronistischen Argentinien bis zum Ersten Weltkrieg in Europa, dass er auch die Anwendbarkeit der Konzepte im Auge hat.

Insgesamt handelt es sich um einen sehr nützlichen Überblick. Nicht alle Autoren mögen mit ihrer Klassifikation völlig einverstanden sein, aber der Ordnungsentwurf erlaubt Orientierung im Dschungel der Ansätze und dürfte vor allem für Studienanfänger ein Begleiter werden, der hoffentlich zum Lesen der einzelnen Weltgeschichten selbst einlädt und nicht missverstanden wird als Ersatz der großen Narrative durch notwendigerweise vereinfachende Kurzfassungen.

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Published on
18.12.2015
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Diese Rezension entstand im Rahmen des Fachforums 'Connections'. http://www.connections.clio-online.net/
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